Wülfrath: Tiefbauamtsleiter auf hoher See
VON JOCHEN DELPHENDAHL - zuletzt aktualisiert: 30.12.2009 - 18:30Düsseldorf (RPO). Hans-Peter Pfeiffer arbeitet in seinen Urlauben als Toppsmatrose auf dem Großsegler Alexander von Humboldt. Seit 30 Jahren ist er mit wachen Augen auf Entdeckungsreise – erst mit seiner Moto Guzzi California und dann mit dem Schiff.
"Mit wachen Augen durch die Welt" – so könnte das Lebensmotto von Hans-Peter Pfeiffer lauten. Als Tiefbauamtsleiter hat der 62-Jährige seit mehr als 30 Jahren die kleine Welt Wülfrather Kanäle und Straßen im Blick, hobbymäßig die große, weite Welt – erst als Motorradfahrer und dann als Matrose.
Auf einer Karte in seiner Amtsstube sind die Orte vermerkt, die er ab 1980 mit seiner Moto Guzzi California in ganz Europa ansteuerte – vom Nordkap bis Sizilien und von Portugal bis Ungarn. Er verwirklichte einen seiner beiden Jugendträume und bereiste alle Staaten der USA. Bis auf die ersten beiden Motorradtouren war er stets als Einzelgänger unterwegs.
Naturforscher
Der Naturforscher Alexander Freiherr von Humboldt wurde als Sohn eines preußischen Offiziers 1769 in Berlin geboren.
Schon in seinem Studium eignete er sich in verschiedenen Disziplinen ein breites Wissen an, welches er mit intensiven Beobachtungen in der Natur ständig erweiterte.
Das änderte sich, als er begann, seinen zweiten Jugendtraum auszuleben. Als Junge hatte er Bücher über Seefahrt, Weltentdecker und Großsegler verschlungen und mit einer Jolle den Baldeneysee in seiner Heimatstadt Essen erkundet. "Durch einen Zufall traf ich einen alten Freund, dessen Bruder in der Geschäftsführung der Brauerei Becks arbeitete. Er erzählte mir vom Segelschiff Alexander von Humboldt."
Bevor der prächtige Großsegler mit seinen grünen Segeln in der Werbung auftauchte, war er 100 Jahre lang als mobiler Leuchtturm, "Reserve Sonderburg", an wechselnden Positionen in der Nord- und Ostsee verankert. Mitte der 80-er Jahre wurde das Schiff außer Dienst gestellt.
Zwei Kapitäne hatten die Idee, das Feuerschiff aufgrund seiner besonderen Konstruktion zu einem Windjammer umzubauen. Die Sail Training Association Germany (STAG) kaufte 1986 das Feuerschiff vom Bundesverkehrsministerium und baute es um zu einer Bark, um es als Sail-Training-Schiff zu nutzen.
"Turnen" an 30 Meter hohe Masten
Die Bark hat drei etwa 30 Meter hohe Masten, von denen zwei mit Rahen getakelt sind. Und in denen "turnte" bald Hans-Peter Pfeiffer herum. 1990 ging er erstmals an Bord, als zahlender Trainee. Beim ersten schweren Wetter zeigte sich, dass der Bauingenieur seefest ist.
Zum Glück, sonst wäre der zweite Jugentraum schnell ausgeträumt gewesen. So schippert er bis zu dreimal im Jahr im Urlaub mit rund 50 Seemännern und -frauen über die Meere der Welt. Schnell hatte er es zum Leichtmatrosen (Lehrling) gebracht. Er diente sich hoch zum Vollmatrosen (Geselle). Inzwischen führt er als Toppsmatrose (Wachführer) eine der Drei-Schichten-Wachen, die die Segel bedienen und zusammen mit Kapitän und Steuerleuten das Schiff segeln.
"Ich bin nie fremdgegangen, bin immer mit der Alexander von Humboldt zur See gefahren", sagt Hans-Peter Pfeiffer. Doch das wird sich bald ändern. Der Großsegler ist in die Jahre gekommen, die Unterhaltungskosten betragen rund 500 000 Euro. Deshalb soll eine neue Alex her – wieder eine Bark, 65 Meter lang und mit Platz für rund 80 Personen. Mit ihr wird die Deutsche Stiftung Sail Training ihre gemeinnützige Arbeit fortführen.
Zuletzt war 1958 mit der Gorch Fock ein Segelschulschiff gebaut worden. Der 15 Millionen Euro teure Alex-Neubau wird sich daran orientieren. Und Hans Peter Pfeiffer sich hoffentlich darauf bald sowohl fühlen, wie auf seiner ersten Liebe, der Alexander von Humboldt. Mit ihr reiste er auf 50 Törns mehr als einmal um die Welt.
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