Wülfrath: Traumjob Maler-Gesellin
VON MANFRED MÜSCHENIG - zuletzt aktualisiert: 10.09.2010Düsseldorf (RPO). Die 24-jährige Naoko Imai hat ihren Lehrherren Jürgen Schaffraneck überzeugt: Für manche Frauen ist das Handwerk der richtige Beruf. Dank Thaibox-Training kann die zierliche Japanerin kräftig zupacken.
Ein Onkel von Naoko Imai ist Schuld, dass die 24-Jährige heute im Handwerksberuf Maler und Lackierer ihre Brötchen verdient. Er war seinerzeit Kunde von Jürgen Schaffraneck und wusste, dass seine Nichte dringend eine Lehrstelle suchte in einem Bereich, in dem sie kreativ tätig sein konnte. Sie hatte zuvor nämlich ein Studium als Physiotherapeutin begonnen und schnell festgestellt, dass das "nicht das Wahre für mich war". Der Onkel vermittelte schließlich ein Praktikum bei Schaffraneck.
Seit Januar Gesellin
Der Chef des alteingesessenen Wülfrather Handwerksbetriebes (1911 gegründet) war zunächst ein wenig skeptisch. Nicht etwa, weil Naoko ein relativ zierliches Persönchen ist oder weil sie die erste Frau war, die er in dem Job ausbilden würde – seine Bedenken hatten eher mit ihrem Wohnort zu tun. Schließlich lebt Naoko Imai in Düsseldorf, hatte kein Auto und musste täglich zur Ausbildung nach Wülfrath fahren. Spätestens nach dem Praktikum waren diese Bedenken wiederlegt. Die junge Frau hatte ihn durch ihr Interesse und ihre Leistung überzeugt. Außerdem hat der Wülfrather Handwerksbetrieb viele Kunden im Raum Düsseldorf und Meerbusch.
Elf weibliche Azubis
Zur Innung der Maler- und Lackierer im Kreis Mettmann gehören etwa 150 Handwerksbetriebe. Obermeister ist Dirk Lüdorf aus Ratingen, sein Stellvertreter Jürgen Schaffraneck aus Wülfrath.
Die Innung bildet im Moment 148 junge Leute zu Malern und Lackierern aus, darunter elf junge Damen. Die auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung zum Bauten- und Objektbeschichter machen 25 Nachwuchskräfte, darunter drei Mädchen.
Im April 2007 hat Naoko Imai ihre Ausbildung begonnen. Im Januar 2010 hatte sie den Gehilfenbrief in der Tasche. Und auch nach dem erfolgreichen Abschluss haben die beiden die Zusammenarbeit fortgesetzt. Im Gegensatz zu ihrer zunächst begonnenen Ausbildung schätzt die junge Frau am Malerberuf, dass man am Ende des Tages sehen kann, was man geleistet hat.
Und auch wenn ihre Statur es auf den ersten Blick nicht glauben lässt, könne sie doch sehr gut zupacken, betont sie. Schließlich hat sie mit langjährigem Training im Leistungssport – elf Jahre Leichtathletik und vier Jahre Thaiboxen – dafür die Grundlagen gelegt. Leider habe sie während der Ausbildung den Sport etwas vernachlässigt, möchte aber bald beim Thaiboxen wieder einsteigen, verrät sie.
Lieblingsarbeit Lackieren
Das Arbeitsspektrum bei Jürgen Schaffraneck reicht vom Tapezieren, Lackieren, Teppichboden verlegen bis hin zur Balkon-Sanierung und der Wärmedämmung älterer Objekte. Zur Kundschaft zählen sowohl Privatpersonen, die mal einen Raum tapeziert haben möchten, als auch Firmen und Hausbesitzer, die mehrere Gebäude verwalten und diese renovieren lassen. Gerade bei der Wärmedämmung habe ein regelrechter Boom eingesetzt. Die Investitionen machten sich schnell bezahlt, erläutert der stellvertretende Obermeister der Malerinnung.
Naoko Imai mag aber vor allem das Lackieren. Wobei es nicht damit getan ist, nur einen Farbanstrich aufzutragen. Damit das Ergebnis sich letztlich sehen lassen kann, komme es vor allem auf die richtige Vorbereitung des Untergrundes an, betont sie. Schleifen und Spachteln gehört da mit zu ihrem Lieblingsjob.
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