Mettmann: Trittbrettfahrer nach Amoklauf
zuletzt aktualisiert: 26.03.2009Düsseldorf (RPO). Zu viel Gewalt
Nach dem Amoklauf von Winnenden hat die Mettmanner Kreispolizei bereits 19 mal mit Trittbrettfahrern zu tun gehabt, die einer Schule einen Amoklauf angedroht haben. Landrat Thomas Hendele machte gestern anlässlich der Vorstellung des Berichtes zur Entwicklung der Kriminalität deutlich, dass die Polizei solche Drohungen angesichts der 15 toten Schüler und Lehrer von Winnenden nicht als "dumme Jungenstreiche" ansieht.
Die Trittbrettfahrer – einer war erst zwölf Jahre alt – werden konsequent strafrechtlich verfolgt und angezeigt. "Wir waren schon nachts in einigen Schlafzimmern", beschrieb Hendele die Ermittlungen, die durch solche Drohungen ausgelöst werden. Und er forderte Schüler und Lehrer auf, in jedem Fall die Polizei zu benachrichtigen, wenn ihnen eine Drohung bekannt wird.
Bei den bisherigen 19 Fällen bedienten sich die Täter des Internet, machten Andeutungen einem Mitschüler gegenüber oder hinterließen eine Nachricht auf einem Zettel. "Amok – ich will Tote sehen", schrieb der Zwölfjährige auf einen Zettel, berichtete Kriminaldirektor Ralf Stetza. Wenn ein Lehrer oder ein Schüler bei der Polizei anruft, er habe einen solchen oder ähnlichen Zettel gefunden, fahre die Polizei sofort raus und nehme Ermittlungen auf, so Stetza. Werden die Täter ermittelt, müssen sie damit rechnen, dass ihnen beziehungsweise ihren Eltern die Kosten in Rechnung gestellt werden, kündigte der Landrat an.
Zahlreiche Waffenbesitzer aus dem Kreis Mettmann sind nach dem Amoklauf von Winnenden bei der Polizei erschienen und haben ihre Schusswaffen – Pistolen, Revolver, Langwaffen – abgegeben. Zur Zeit befinden sich im Kreis Mettmann 35 000 Schusswaffen in privater Hand. Landrat Hendele sagte in diesem Zusammenhang, er halte "Aktionismus" wie eine Verschärfung des Waffengesetzes nicht für "zielführend". Es sei schon recht schwierig, in Deutschland eine Schusswaffe zu besorgen. Wer allerdings unbedingt wolle, der bekomme auch eine.
Bei allen erfreulichen Erkenntnissen zur Kriminalität, die der Landrat gestern vorlegte – die Aussagekraft der Zahlen muss langfristig gesehen werden. So geht die Zahl der Delikte der Gewaltkriminalität zwar seit zwei Jahren zurück von 1174 auf 997, aber der langfristige Trend kündet von zunehmender Gewaltbereitschaft: 1994 wurden nur 596 Gewalttaten gezählt. Für Entwarnung ist es also viel zu früh. Die guten Zahlen müssen sich fortsetzen. Dennoch ist festzustellen, dass sich Erfolge abzeichnen. Statistisch gesehen leben die Menschen im Kreis recht sicher: auf 100 000 Einwohner kommen 6174 Straftaten (Vorjahr: 6664), im Landesdurchschnitt sind es 8075. Die Opfern freilich tröstet das nicht. FIS
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