Wülfrath: Tusch für Busch
VON ULLA PANTEL - zuletzt aktualisiert: 21.10.2008Düsseldorf (RPO). Das Landestheater Burghofbühne Dinslaken präsentiert Wilhelm Busch in szenischen Lesungen.
Schauspieler laden das Publikum zu einer kleinen Zeichenstunde ein.Mit „Wilhelm Busch und Tusch“ eröffnete das Landestheater Burghofbühne die Theatersaison in Wülfrath, und diese brachte gleich zwei Neuerungen: Die Abonnenten saßen nicht in Sitzreihen, sondern an hübsch dekorierten Tischen, und im Vergleich zu den Vorjahren gab es zum Saisonauftakt diesmal ein fröhliches Stück. 2008 jährt sich der Todestag des „Urvaters des Comics“ zum 100. Mal. Grund genug, einem der bedeutendsten humoristischen Dichter Deutschlands eine Jubiläumsfeier zu widmen.
Wilhelm Buschs Bildergeschichten auf die Bühne zu übertragen, war keine einfache Aufgabe. Fünf Schauspieler und zwei Musiker näherten sich in einer collagenhaften Hommage auf literarisch-musikalische Weise dem Werk und Leben des Dichters. Wohlweislich hatte das Ensemble darauf verzichtet, Geschichten wie „Max und Moritz“ nachzuspielen, sondern begnügte sich mit portionsweise vorgetragenen Lesungen der sieben Lausbubenstreiche. Die über eine Leinwand eingeblendeten Zeichnungen ließen die pfiffigen Geschichten in den Köpfen des Publikums sofort wieder präsent werden.
Noch drei Stücke
In der bereits dritten Spielzeit in der Wülfrather Stadthalle sind noch drei Stücke zu sehen:
Um Zarah Leander und ihre Rolle in der Nazizeit geht es am 12. Dezember in dem Musical-Solo, „Zarah 47“ (Wuppertaler Bühnen).
Das Ein-Mann-Stück, „Heute weder Hamlet“ wird am 8. Februar 2009 präsentiert (Wuppertaler Bühnen).
Das Landestheater kommt am 27. März 2009 mit „Romeo und Julia“.
Feuerwerk von Sinnsprüchen
Ein Feuerwerk an rasch aufeinanderfolgenden Sinnsprüchen zeigte, wie allgemeingültig und gegenwärtig Wilhelm Busch auch heute noch ist, etwa bei Reimen wie „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“ Es gab Anekdoten aus dem Leben des Dichters und Auszüge aus dem „Münchner Bilderbogen“, der aus der satirischen Zeitschrift „Die fliegenden Blätter“ hervorging. Vorgetragen wurden auch zahlreiche spöttisch-launigen Gedichte aus den Sammlungen „Schein und Sein“, „Kritik des Herzens“ und „Zu guter Letzt“.
Eine hübsche Idee war es, das Publikum zu einer kleinen „Zeichenstunde“ einzuladen. Mit rasch verteilten Bleistiften konnten auf den Programmzetteln historische Portraits à la Wilhelm Busch vom Alten Fritz und Napoleon nachgezeichnet werden. Drohende Textlastigkeit der szenischen Lesungen vermieden witzige musikalische Einlagen der „The Galactic Gorillas“. In der Absicht des Theaters hatte gestanden, das Programm durch „musikalische Nachfolger des wortgewandten Satirikers“ abzurunden. Ob dies so ganz gelungen ist, mag bezweifelt werden. Der Unterschied zwischen Buschs hintergründigem Humor und lustigen Liedern wie „Allerdings sprach die Sphinx“ über „Da Da Da – ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht“ bis hin zu „Wadde hadde dudde da“ ist doch gewaltig. Begeistertes Mitklatschen blieb trotz gelungenen Vortrags des fünfköpfigen Ensembles aus. „Wilhelm Busch und Tusch“ war ein nettes Vorabendprogramm, das freundlichen Beifall fand.
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