Mettmann: Unsicherheit über Kanalprüfung
VON CHRISTOPH ZACHARIAS - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012Mettmann (RP). Viele Bürger wissen nicht, ob sie ihre privaten Abwasserleitungen prüfen lassen sollen. Im Land gibt es zwei unterschiedliche Gesetzesinitiativen. Beim Bürgerverein Metzkausen klärt die Geschäftsführerin von Haus und Grund auf.
Bleibt die verpflichtende Dichtheitsprüfung für private Abwasserleitungen, wird sie verändert, abgeschafft und wie werden die Bestimmungen dann aussehen? Der Bürgerverein Metzkausen hatte zu diesem Thema zum Stammtisch in die Gaststätte Ratskeller eingeladen.
Viele Bürger sind verunsichert, einige haben bereits ihre Leitungen untersuchen und gleichzeitig sanieren lassen. Die Fristen haben nach wie vor ihre Gültigkeit. In Mettmann müssen bis zum 31. Dezember 2015 die Kanäle untersucht werden. Für Meike Elkemann-Reusch, Geschäftsführerin von Haus und Grund, ist noch offen, ob es einen Kompromiss der beiden Landesgesetzentwürfe von FDP/CDU und SPD/Grüne geben werde. Die Linken, so ihre Meinung, würden wahrscheinlich im Land das Zünglein an der Waage sein. CDU und FDP sind gegen generelle Überprüfungen. Die Dichtheitsprüfung soll ihrer Meinung nach nur bei bedeutenden Änderungen der Abwasserleitungen sowie bei begründeten Verdacht einer Boden- und Grundwasser-Verschmutzung vorgenommen werden.
Investitionen
Fachbetriebe haben in den letzten Monaten Spezialwerkzeuge für die Dichtheitsprüfung angeschafft und Geld in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter investiert.
Sollte die verpflichtende Dichtheitsprüfung abgeschafft werden, sei eine Amortisation der Investitionen kaum möglich, klagte ein Fachbetrieb aus der Kreisstadt.
Anwohner, die sich zusammen schließen, können Preisvorteile bei einer Prüfung erreichen, berichtete eine Mettmannerin.
SPD und Grüne halten eine Dichtheitsprüfung bei einem Wasserverbrauch von mehr als 200 Kubikmetern pro Haushalt und Jahr für erforderlich und wenn Bedenken bestehen, dass die Leitung Schäden aufweise. Noch vor der Sommerpause, so CDU-Landtagsmitglied Marc Ratajczak, soll eine Entscheidung fallen. "Bis dahin empfehlen ich ihnen stillzuhalten", sagte Holger Schubert von der Abteilung Stadtentwässerung bei der Stadtverwaltung Mettmann.
In Mettmann gibt es rund 8000 Gebäude, bei der Verwaltung sind bislang 200 Bescheinigungen über eine positive Dichtheitsprüfung eingegangen. Unklar ist die Zahl der derjenigen Haushalte, bei denen im Abwasserkanal Schäden festgestellt wurden und die noch keine Sanierung vorgenommen und sich noch nicht gemeldet haben.
Laut Elkemann-Reusch weisen 70 Prozent der privaten Abwasserleitungen Schäden auf. "Das liegt daran, dass 70 Prozent der Häuser vor 1965 gebaut worden sind. Die Rohrleitungen dieser Gebäude bestehen aus Steingut und die Muffen sind mit Teerstricken verbunden worden, die mit der Zeit verrotten", sagte die Geschäftsführerin. Sie zeigte eine Vielzahl von möglichen Schäden auf, die vom Haarriss bis zum gebrochenen Rohr reichen können. Die Kanal-Untersuchung per Kamera sei das Mittel der Wahl. Von Wasser- und Luftdruck-Untersuchungen riet sie ab, da sich Schäden auf diese Weise vergrößern könnten.
Man solle vor Dichtheitsprüfung profunden Rat bei der Beratungsstelle der Stadt Mettmann einholen. Dort existiere auch eine Liste von Fachfirmen aus der Region, die diese Prüfung und die Sanierung leisten. "In diesem Zusammenhang warne ich vor Kanalhaien, die Versprechungen und Schnäppchen-Angebote machen und die Leute übers Ohr hauen", sagte Elkemann-Reusch.
Eine Dichtheitsprüfung sei aber auf jeden Fall sinnvoll. Einmal um eventuelle Schäden aufzudecken, zum andern steigere sie den Wert der Immobile.
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