Mettmann: Unterricht ohne Lehrer
VON CHRISTOPH ZACHARIAS - zuletzt aktualisiert: 11.02.2012Mettmann (RP). Reportage: Schüler des Berufskollegs Neandertal organisieren ein großes Sportfest für 250 Schüler. Sie haben sich mehrere Male im Vorfeld getroffen und den Wettkampf von A bis Z geplant.
Jannis (19) sitzt lässig hinter Mischpult und Laptop. Sein Job ist es heute für fetzige Musik zu sorgen und dafür, dass man Michael (19) und Julian (19) gut verstehen kann. Die haben sich mit Mikros "bewaffnet" und geben das Startzeichen für das Spiel "Keine Panik auf der Titanic". Die drei Schüler des Berufskollegs Neandertal gehören zum Organisationsteam eines Sportfestes. Die Lehrer haben heute Pause und sitzen auf der Tribüne in der Sporthalle an der Flurstraße.
"Wir haben vor zwei Wochen damit begonnen, das Sportfest zu planen", sagt Daniel, Schüler am Berufskolleg. Das Sportfest für die Klassen des Fachbereiches Gesundheit, Sport und Soziales, "läuft" als projektorientierter Unterricht. Er und seine Mitschüler der Klassen GS 310 und GS 110 haben sich mehrfach getroffen und die Sportsause von A bis Z durchgeplant. Die Schüler legten ein Gruppenbuch an, in dem die Arbeitsschritte dokumentiert wurden. Die Lehrer haben die Zwischenergebnisse begutachtet und benotet. Am Donnerstag tagte das Abschlussplenum und heute heißt es "Halle frei für Spaß, Spiel und Sport."
Bewegungspiele
Die Schüler haben sich die Spiele zum Teil selbst ausgedacht und Anregungen aus dem Internet geholt. Vor den Spielen gab's eine Aufwärmphase, die ebenfalls von den Schülern organisiert wurde. Auch die Preise für die Sieger (Gutscheine, Süßigkeiten etc.) haben die Schüler bei Mettmanner Geschäften gesammelt.
Zuschauer feuern an
Die Stimmung an diesem Morgen ist super. Mehrere Mannschaften tragen farbige T-Shirts und feuern sich vor dem Spiel an. Nicht alle Schüler machen mit. Einige sitzen auf der Tribüne und beobachten das Ganze ohne zu schwitzen. Beim Spiel "Keine Panik auf der Titanic" muss eine Turnmatte mit Hilfe von Bällen, die immer wieder unter die Matte geworfen werden, durch die Turnhalle gerollt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass immer ein Schüler auf der Matte stehen muss. Keine leichte Aufgabe. Marius (19) hat sich eine farbige Perücke aufgesetzt und rollt pausenlos Basketbälle unter die Matte. Allerdings schummelt sein Team ein bisschen. Denn Marius und zwei ebenfalls durchtrainierte Klassenkameraden tragen die Matte teilweise durch die Halle. Das haben die Schiedsrichter schnell spitz bekommen. "Für euch gibt es leider keinen Punkt", sagen sie am Ende des Wettkampfes. Lange Gesichter. Gute Laune haben hingegen die Schüler einer anderen Klasse. Moritz (20), Sascha (18 und Andre (18) klatschen sich ab. Die drei spielen Handball in der Ober- und Landesliga und haben das Spiel gewonnen. "Wir haben vor dem Sportfest Schnelligkeits- und Kraftübungen gemacht", sagen die "Sportprofis" und lachen.
Nicht nur das Gewinnen steht im Vordergrund, sondern auch die Kooperation untereinander. Und die klappt hervorragend. Schüler haben beispielsweise ein Frühstücksbuffet organisiert und verkaufen Brötchen und Tee an ihre Mitschüler. Mit dem Erlös wird ein Fest finanziert. Die nächste Organisations-Aufgabe für die Schüler. Ein Projekt ohne Noten.
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