Mettmann: Verdis Pfeifkonzert
VON JÜRGEN FISCHER - zuletzt aktualisiert: 06.03.2008Düsseldorf (RPO). Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes aus Niederberg folgen dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zum Streik. Demonstrationen und Kundgebung in Mettmann. DGB-Chef Peters wettert gegen Banken und Arbeitgeber.
In Rathäusern und vor allem bei der Rheinbahn standen gestern vormittag die Räder still. Hunderte Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes folgten dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi und legten die Arbeit nieder. Aus dem Niederbergischen kamen über 300 Streikende nach Mettmann zu drei Demonstrationszügen und zur Kundgebung auf dem Platz an der Schäfergruppe in der Fußgängerzone. Mitarbeiter aus Erkrath beteiligten sich an Demonstrationen in Düsseldorf.
„Wir haben uns gesteigert“, rief der Personalratsvorsitzende der Mettmanner Stadtverwaltung, Dieter Quack, den Männern und Frauen zu. Nicht nur aus den Rathäusern waren sie gekommen, auch aus den Volkshochschulen Mettmann-Wülfrath und Haan, der Sparkasse und eine Abordnung der Gewerkschaft der Polizei (GdP).
Knapp besetzt
Die Rathäuser in Mettmann und Wülfrath hatten nicht geschlossen, waren aber nur knapp und zum Teil mit Notdiensten besetzt.
Das Bürgerbüro Mettmann hatte geöffnet, ebenso das Hallenbad.
Kindergärten hatten geöffnet.
Die Rheinbahn verkehrte in Mettmann, Erkrath und Wülfrath eingeschränkt.
„Es ist genug Geld da“
Das Ende der Bescheidenheit verkündete Hans Peters, als Vorsitzender des DGB Bergisches Land Hauptredner. Er warf den Arbeitgebern vor, mit „unverschämten Gegenforderungen“ auf die Gehaltswünsche der Arbeitnehmer zu reagieren. Dem Argument, für eine achtprozentige Einkommenserhöhung sei kein Geld da, hielt er die Milliarden entgegen, die in die Banken WestLB und IKB gesteckt werden. Und allein in Solingen und Remscheid hätten die Kämmerer 29 Millionen bei sogenannten Derivatgeschäften versenkt. Peters: „Man kann gar nicht soviel essen, wie man kotzen möchte!“
Rathausmitarbeiter aus Mettmann und Wülfrath hielten ein Transparent in die Höhe „Wir stehen zusammen im Streik“. Während Peters gegen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und seine Altersbezüge wetterte, bahnte sich Mettmanner ihren Weg durch die Menschenmasse („Wir müssen zur Arbeit“). Die Mitarbeiterinnen der Parfümerie, auf deren Stufen die Streikenden zwecks besseren Überblicks standen, schauten der Kundgebung gelangweilt oder gar missmutig zu. Während der Kundgebung hatten sie kaum Kunden.
Nach einer Pause, in der von der Bühne Songs der Rolling Stones hallten und vor allem Frauen zum Swingen verleiteten, begrüßte Gewerkschaftssekretärin Grit Genster die Streikenden aus Heiligenhaus, Velbert, Wülfrath, den Volkshochschulen, der Rheinbahn und der Straßenmeisterei Velbert. Seit zehn Jahren komme real immer weniger Geld im Portemonnaie an, vor vier Jahren habe es die letzte, längst wieder aufgezehrte Lohnerhöhung gegeben. Auch die Auszubildenden bräuchten eine Zukunft.
Nach der Kundgebung zogen die Streikenden durch die Stadt und dann zum Streiklokal, dem Mehr-Generationen-Haus am Königshof, wo ein Essen wartete.
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