Mettmann: Werken wie Steinzeitmenschen
VON SABINE SCHÖLLING - zuletzt aktualisiert: 30.08.2010Düsseldorf (RPO). Wenn das Neanderthal Museum zum Fest einlädt, erleben die Besucher hautnah ein Stückchen Steinzeit. Nicht nur Kinder werden zu Schmieden und Steinhauern. Auch die Eltern haben ihre Freude an den Techniken der Vorfahren.
Leben wie die Steinzeitmenschen – lautete das Motto beim Fest des Neanderthal Museums. Diesen Blick in die graue Vorzeit wollten sich viele Familien nicht entgehen lassen. Rund um das Museum und auf dem Gelände der Fundstelle gab es attraktive Angebote zum Mitmachen, und nicht nur Kinder fühlten sich angesprochen. Die Besucher sahen, wie unsere Vorfahren es fertig gebracht hatten, mit primitiven Werkzeugen Getreide zu mahlen, Bogen zu bauen, zu weben, zu schmieden oder Kerzen zu ziehen.
Anspruchsvolle Techniken
Viele dieser Techniken, so erklärte es Museumsdirektor Prof. Dr. Weniger, sind sehr anspruchsvolle Verfahren, die man nicht so ohne weiteres nachahmen kann. Es sei uns Neuzeitmenschen ein Rätsel, wie in der Steinzeit Birkenpech hergestellt wurde. Noch immer tüfteln Wissenschaftler an der ganz speziellen Befeuerung dazu. "Wer sich damit befasst, bekommt Respekt vor dem Know-how unserer Vorfahren!" So hat sich auch das Forschungsgebiet der experimentellen Archäologie etabliert, das sich mit den Werkprozessen, Technik und Lebensweise der Steinzeitmenschen befasst. Das Museum arbeitet teilweise mit externen Spezialisten zusammen, die diese Handfertigkeiten auch bei dem Fest demonstrierten. Der Museumsdirektor selber war an diesem Wochenende an allen Fronten aktiv und fand auch Zeit, an der Mammut-Fußballwand Standdienst zu leisten. Das Neanderthal Museum ist längst zu einer festen Größe in der deutschen Museumslandschaft geworden und vergrößert ständig das Einzugsgebiet der Besucher. Das Marketing spiele eine Rolle, ist Dr. Gerd-Christian Weniger überzeugt; "Wir haben für dieses Fest plakatiert, Radio-Spots gesendet und nicht zuletzt über das Internet Öffentlichkeitsarbeit betrieben."
Durch das Internet fand auch die elfjährige Samantha aus Duisburg mit ihrer Mutter zum Museumsfest. Mit einem Specksteinanhänger in Herzform, den sie selber modelliert hatte, verließ sie Mettmann und bedauerte: "Wir waren stundenlang hier und trotzdem reichte die Zeit nicht, um alles auszuprobieren!" Der neunjährige Yoric wartete beim Schmied geduldig, bis er an der Reihe war. Mit Lederschürze und Helm mit Visier gegen den Funkenflug gewappnet, ließ er einen Eisenhammer konzentriert auf den glühenden Nagel sausen, bis dieser in der Zange des Schmieds kein Nagel mehr war, sondern eine Spirale.
Geburtstag im Museum
Das Neanderthal Museum hat pro Jahr 170 000 Besucher.
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10-18 Uhr, Fundstelle bis 17 Uhr (ab November bis 16 Uhr).
Der Kunstweg im Neandertal ist ständig begehbar, Steinzeitwerkstatt-Angebote (auch Kindergeburtstage) nach Anmeldung, www.neanderthal.de
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