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Mettmann: Wirte fürchten den Ruin

VON ISABEL KLAAS - zuletzt aktualisiert: 28.06.2012

Mettmann (RP). Sollte die rot-grüne Landesregierung ein komplettes Rauchverbot in allen Lokalen durchsetzen, hätten viele Gastronomen umsonst in Raucherbereiche investiert. Viele Wirte sorgen sich um ihre Existenz.

Nikolaus Streit (75): "Ich bin Gelegenheitsraucher und zünde mir am Tag zweimal eine Pfeife an. Für mich ist das überhaupt kein Problem, in einer Gaststätte oder in einem Restaurant nicht zu rauchen. Ein Problem sehe ich hingegen bei kleinen Kneipen. Die werden Schwierigkeiten bekommen und sicher weniger Umsatz machen. Im Sommer rauche ich nur draußen."  Foto:  nacke
Nikolaus Streit (75): "Ich bin Gelegenheitsraucher und zünde mir am Tag zweimal eine Pfeife an. Für mich ist das überhaupt kein Problem, in einer Gaststätte oder in einem Restaurant nicht zu rauchen. Ein Problem sehe ich hingegen bei kleinen Kneipen. Die werden Schwierigkeiten bekommen und sicher weniger Umsatz machen. Im Sommer rauche ich nur draußen." Foto: nacke

Es sieht ganz so aus, als hätten die Gastronomen bald eine Kröte zu schlucken: das Rauchverbot in allen Räumen. Wer kürzlich erst in einen abgeschlossen Bereich für rauchende Gäste investiert hat, hätte das Nachsehen. Denn auch dort soll nach den Vorstellungen der rot-grünen Landesregierung ein Rauchverbot herrschen.

Für Evelyn Gebauer, Inhaberin von Evi's Bistro in Wülfrath und ihren Lebensgefährten Wolfgang Borreck, wäre die entsprechende gesetzliche Regelung der Gau: "Dann müssen wir nächstes Jahr schließen", sagt Borreck. "Das ist total daneben und gefährdet unsere Existenz." 85 Prozent der Gäste sind Raucher. Sie kommen seit fünf Jahren – meist nach Dienstschluss an die Wilhelmstraße, um ein Bierchen oder ein Weinchen zu trinken und ihre Zigarette zu rauchen. "Die kommen nicht mehr", ist Borreck überzeugt.

Info

Striktes Verbot

Die rot-grüne Landesregierung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der noch vor der Sommerpause dem Landtag zugeleitet werden soll.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hofft, dass das Gesetz zu Beginn des nächsten Jahres in Kraft treten kann. Danach dürfte in der Gastronomie grundsätzlich nicht mehr geraucht werden.

Von einem Drama spricht Waltraut Schäfer vom Erkrather Café & Kneipe an der Kirchstraße. Auch ihre Gäste sind zu 95 Prozent Raucher. "Ich bin hier nur Pächterin und habe unter bestimmten Voraussetzungen einen Vertrag mit dem Eigentümer geschlossen. Jetzt werde ich per Gesetz daran gehindert, mich an meinen Vertrag zu halten." Seit 15 Jahren ist Waltraud Schäfer Chefin im "Erkrather". "Meine Gäste sagen: Wer Nichtraucher ist, soll dahin gehen, wo nicht geraucht wird. Wir verstehen diese Regelung gar nicht." Für Thorsten Hellwig, Pressesprecher des Dehoga (Hotel- und Gaststättenverband), ist klar: "Wir lehnen das generelle Rauchverbot ab. 80 Prozent unserer Gaststätten sind eh rauchfrei. Da muss nicht der Rest auch noch rauchfrei sein." Die Interessenvertretung der Gastwirte würde eher für einen stärkeren Minderjährigenschutz vor Rauchern plädieren. "Es gibt übrigens eine Forsa-Umfrage, nach der 51 Prozent der Bürger gegen ein absolutes Rauchverbot sind", sagt Hellwig.

Im Mettmanner Mühlenstübchen sitzen Raucher und Nichtaucher friedlich nebeneinander: Manfred Emroth, Dieter Hallmann und Stefan Böttcher (v.l.) Foto: Michael Nacke

"Was soll ich dazu noch sagen?"

Die Wirte haben mittlerweile die Nase voll von Gesetzen, die das Rauchen verbieten. Frankenheim-Wirt Mladen Ivankovic zuckt die Schultern: "Was soll ich zu solch einem Gesetz noch sagen?" Natürlich habe er jetzt erst in einen Rauchbereich investiert. Aber alles Klagen sei vergebens. Seine Kollege vom Mühlenstübchen sieht das ebenso. Für eine Stellungnahme ist er nicht zu haben. Dafür jedoch seine qualmenden Gäste. "Das ist eine Bevormundung. Wir wollen das selbst entscheiden", sagt einer. "Die spinnen doch in Düsseldorf. Die Politiker sollten uns mal fragen." Sie drängeln sich um 17.30 Uhr an der Theke der gemütlichen Kneipe und klönen zum Weinchen. "Natürlich gehört für uns eine Zigarette dazu", sagt ein Gast.

Begeistert von einem kompletten Rauchverbot sind die Ordnungsämter der Städte, die über die Einhaltung wachen. "Für uns wäre alles einfacher. Das ist eine klare Regelung, die wir gut kontrollieren könnten", sagt der Wülfrather Ordnungsamtschef Reinhard Schneider.

 

Quelle: RP
Fotos
Wolfgang Schorn (68): "Ich habe viele Jahre selbst geraucht und akzeptiere das Nichtraucherschutzgesetz. Allerdings finde ich das Rauchverbot bei Karneval- und Kirmesfesten überzogen. Ich bin Mitglied des Offizierscorps der St. Sebastianus Schützenbruderschaft 1435 Mettmann. Wenn in den Zelten nicht mehr geraucht werden darf, kommen noch weniger Leute." Foto: Nacke, Michael
Beate Brendel (61): "Ich rauche ab und zu eine Zigarette, kann aber die Auflagen des Nichtraucherschutzgesetztes gut nachvollziehen und unterstütze sie. Es ist nicht stringent eingehalten worden und hat zu Unsicherheiten geführt. Die neue Regelung akzeptiere ich. Es ist angenehm, nach einem Lokalbesuch nicht mit vermiefter Kleidung nach Hause zu kommen." Umfrage: cz Foto: Nacke, Michael
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