Erkrath: Zehn Jahre Rentner-Netzwerk
VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 23.02.2012Erkrath (RP). Damit nach dem Berufsleben kein Stillstand eintritt, gründete Wolfgang Böhner mit anderen das Hochdahler Netzwerk. Räume fand es bei der Caritas. Das Angebot reicht von Computer und Klönen bis zu Sprachkursen.
Sie gehen zusammen ins Theater, frischen ihre Französischkenntnisse auf oder diskutieren über Gott und die Welt. Sie haben sich selbst ein Netzwerk geschaffen, das sie trägt und miteinander verbindet. "Wichtig ist der Austausch. Jeder kann sich in die bestehenden Gruppen einbringen oder eine neue gründen", betont Wolfgang Böhner. Der 75-Jährige gehört zu den Mitbegründern des Hochdahler Netzwerkes und erinnert sich noch lebhaft an den Start vor zehn Jahren.
"Die Idee kam damals aus Düsseldorf. Dort hatte Karin Nell die gemeinsame Freizeitgestaltung nach der Schließung der Glashütte angestoßen, um vor allem die älteren Mitarbeiter aufzufangen. Einige Hochdahler, die damals in Düsseldorf arbeiteten, wollten den Gedanken aufgreifen und nachmachen."
Neue Freizeitgestaltung
Um bei ihren Treffen ein Dach über dem Kopf zu haben, suchten sie zunächst nach einem Träger. Nach einigem Hin und Her erklärte sich die Caritas bereit, die Netzwerk-Gründer bei sich aufzunehmen. "Die Mitarbeiter der Caritas sorgten dafür, dass wir die Räume in der Begegnungsstätte der Johanniter nutzen konnten und machten unsere Idee über die Tageszeitungen bekannt", berichtet Wolfgang Böhner.
Er stand damals selbst an der Schwelle zwischen Beruf und Ruhestand und suchte nach neuen Aufgaben und einer sinnvollen Freizeitgestaltung. Die Begeisterung der Gründungsphase riss ihn mit. "Bei den ersten Treffen bildeten sich gleich Gruppen. Die einen wollten gemeinsam wandern, die anderen ihr Französisch verbessern, und die Nächsten interessierten sich für Kultur." Wolfgang Böhner entdeckte das Internet-Café der Johanniter für sich.
"Dort gab es zwar jede Menge Computer, aber niemanden, der die Nutzer entsprechend einführte. Da habe ich mich engagiert." Inzwischen hat er auch eine Gruppe gegründet, die Realschülern Nachhilfe in Mathe, Englisch und Deutsch gibt. "Wenn sie einmal unsere Renten bezahlen sollen, brauchen sie eine gute Ausbildung, und auf dem Weg dahin wollten wir helfen. Im Moment sind wir zu viert und hoffen, dass noch der eine oder andere dazu kommt", berichtet Wolfgang Böhner.
Er organisiert nebenher auch die Öffentlichkeitsarbeit des Netzwerks, hält Kontakt zu den verschiedenen Gruppen und koordiniert die Termine. "Früher habe ich als Ingenieur Mitarbeiter eingesetzt, heute kann ich meine Fähigkeiten für das Netzwerk nutzen. Das macht zwar auch Arbeit, doch es bereichert meinen Alltag", betont der 75-Jährige. Ihm ist besonders wichtig, dass das Netzwerk eine offene Organisation geblieben ist, die ohne Mitgliedschaft, Hierarchien und Vereinsmeierei auskommt. "Jeder kann heute hier mitmachen und morgen dort, seine Ideen einbringen und sich verwirklichen. So entstehen neue Gruppen und andere lösen sich auf."
Gemeinsame Interessen und der Austausch verbinden die Netzwerker. "Bei uns ist immer etwas los", bestätigt Wolfgang Böhner. Er sieht in der Struktur der Gemeinschaft ein Zukunftsmodell. "Es gehen immer mehr Menschen in Rente, und wenn Beruf und Familienphase abgeschlossen sind, fallen viele in ein Loch. Diese Lücke versuchen wir zu schließen." Mit Theaterbesuchen, Französisch und Diskussionen über Gott und die Welt.
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