Mettmann: Zeitarbeit boomt
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 07.03.2008Düsseldorf (RPO). Die Zeitarbeit hat sich zum Jobmotor im Bergischen Land entwickelt. Immer mehr Arbeitnehmer schaffen den Sprung von Hartz-IV in eine Beschäftigung. Etwa ein Drittel erhält einen festen Job.
KREIS METTMANN/Wuppertal Gleiche Arbeit, aber halber Lohn, keinen Anspruch auf Urlaub, maximal 7,38 Euro Stundenlohn. Und: Wer krank ist und sich nicht spätestens bis 9 Uhr bei seinem Arbeitgeber meldet, erhält 15 Prozent vom Monatslohn abgezogen. So steht es in einem fiktiven Arbeitsvertrag, den Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit zur Zeitarbeitsbörse in die Wuppertaler Stadthalle gebracht hatten.
Ob Helfer in der Produktion, Industriemechaniker oder Bilanzbuchhalter und Sekretärin – 31 Zeitarbeitsfirmen aus der Bergischen und Niederbergischen Region hatten auf dem Johannisberg über 1500 freie Stellen im Angebot. „Die Zeitarbeit ist der Jobmotor im Bergischen Land“, sagte Katja Heck, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur. Waren es 2003 noch gerade mal 200 Zeitarbeiter, die den Weg von der Arbeitslosigkeit in die Zeitarbeit schafften, sind es fünf Jahre später schon 4000.
Übliche Pflichten
Vielen Arbeitsuchenden ist die Vorstellung, bei einer Zeitarbeitsfirma zu arbeiten, erst einmal gewöhnungsbedürftig.
Dabei sind Zeitarbeitsunternehmen Arbeitgeber mit allen üblichen Pflichten. Seriöse Arbeitnehmerüberlasser bieten die gleichen Einstellungsvoraussetzungen wie andere Unternehmen.
Der Zeitarbeitsmarkt ist längst nicht mehr nur auf Hilfspersonal beschränkt. Mittlerweile sind solche Arbeitnehmer in fast allen Brachen und mit den unterschiedlichsten Vorkenntnissen zu finden.
Effektives Beschäftigungsmodell
„Der Boom ist ungebrochen“, sagt Katja Heck, deren Agentur für Niederberg und damit auch für Wülfrath zuständig ist. Sie nennt die Zeitarbeit ein „effektives und interessantes Beschäftigungsmodell“. Die Zeiten, in denen Firmen, die Leiharbeiter beschäftigen, Lohndumping und schlechte Arbeitsverhältnisse nachgesagt wurden, seien vorbei. Längst werden auch höher qualifizierte Jobs über Zeitarbeitsfirmen vermittelt. Und: Etwa ein Drittel der Arbeitnehmer, die über eine Zeitarbeitsfirma in einem Unternehmen landen, erhalten später dort eine feste Anstellung.
Nicht nur in Niederberg, auch im Bereich der Arbeitsagentur Düsseldorf und des Kreises Mettmann nimmt Zeitarbeit einen immer höheren Stellenwert ein. „Etwa ein Drittel der monatlich angebotenen Stellen kommen von Zeitarbeitsfirmen“, sagt Peter Wege, Sprecher der Düsseldorfer Arbeitsagentur. Zum Bezirk der Düsseldorfer Arbeitsagentur gehören die Städte Mettmann und Erkrath.
Erfahrung sammeln
„Besonders für Menschen, die bereits längere Zeit arbeitslos waren, bietet Zeitarbeit eine Alternative, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, sagt Thomas Lenz, Geschäftsführer der Arge. „Denn schließlich kann man durch die Einsätze Arbeitserfahrung sammeln und Kontakte zu verschiedenen Betrieben knüpfen.“ Es dürfe dabei auch nicht vergessen werden, dass Arbeitlosigkeit nicht nur finanzielle Engpässe bedeute, sondern auch gesellschaftliche Ausgrenzung.
Mit dem vermeintlich schlechten Image der Zeitarbeitsfirmen möchte die Agentur für Arbeit aufräumen. „Feste Einsatzzeiten, Urlaubstage, Überstundengeld, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall: Das alles gehört auch in der Zeitarbeit zu einem guten Arbeitsvertrag dazu“, sagt Katja Heck. Die Gewerkschaften allerdings sehen das ein wenig anders. Für sie kommt Zeitarbeit nach wie vor nur bei Auftragsspitzen in Frage, bei Krankheits-, Urlaubs- oder Schwangerschaftsvertretungen.
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