Mettmann: Zeuge der Zeit im Ghetto
VON R. MAIROSE-GUNDERMANN - zuletzt aktualisiert: 28.10.2006Düsseldorf (RPO). Itzchak Belfer berichtet aus dem Kinderhaus von Janusz Korczak. Pfarrer Klaus-Peter Rex stellte in Israel den Kontakt her. Hoffnung auf gute Resonanz der Veranstaltungen.
„Korczak ist für mich jetzt eine lebendige Person. Nicht mehr nur eine aus einem Buch“, sagt Pfarrer Klaus-Peter Rex. Mit der Theatergruppe „Fünf Brote und zwei Fische“ hat er in den letzten neun Jahren fast 50 mal das selbst verfasste Tragical „Im Schatten der Mauer – Janusz Korczak“ aufgeführt – in verschiedenen Besetzungen. Es erzählt die Geschichte des Arztes, „Kinderkönigs“ und Leiters des Waisenhauses im Warschauer Ghetto, der 1942 „seine“ Kinder auf dem Weg ins KZ Treblinka begleitete und dort umkam. Mit Maler und Bildhauer Itzchak Belfer (Jahrgang 1922) kommt vom 6. bis 9. November ein Zeitzeuge nach Wülfrath, ein Zögling von Janusz Korczak. Er hatte bis etwa zwei Jahre vor der Deportation in dem Heim lebte.
Ausstellung und Podiumsgespräch
In einer Ausstellung in der Kreissparkasse Wülfrath stellt er Bilder aus. Im Gymnasium findet mit ihm ein Podiumsgespräch über die „Shoa“ (Holocaust) statt, in der Stadtkirche ein Vortrag „Janusz Korczak und das Kinderheim Dom Sierot“, im Gemeindezentrum Süd eine Aufführung des Tragicals. „Es wird eine Herausforderung, wenn Belfer unter den Zuschauern sitzt“, glaubt Klaus-Peter Rex.
Itzchak Belfer
Geboren 1922, bis 1940 im Waisenhaus bei Janusz Korczak. Er floh nach Russland.
Nach dem Krieg kam er nach Warschau und stellte fest, „dass es da keine Juden mehr gab.“
Er versuchte vergeblich, nach Palästina zu kommen, fasste Fuß in Zypern, studierte Malerei, ging nach Tel Aviv und setzte dort sein Kunststudium fort.
Veranstaltungen 6. - 9. November, Ausstellung, Bilder von Itzchak Belfer, Kreissparkasse. 7. November, 18 Uhr, Podiumsdiskussion, Gymnasium. 8. November, 18 Uhr, Vortrag, Stadtkirche 9. November, 19.30 Uhr, Aufführung, Gemeindezentrum Süd.
Kartenvorverkauf 1 , Gemeindeamt Am Pütt.
Großformatige, beeindruckende Fotos von Belfers Arbeiten hat Rex aus Tel Aviv mitgebracht, wo er den Künstler Anfang Oktober besuchte. Porträts von Korczak, anrührende Szenen, wie Korczak schützend die Hände über die Kinder hält, eine lange Schlange gesichtsloser kleiner Gestalten vor der schwarzen Öffnung des Deportationszuges.
Das erste Aufeinandertreffen der Kirchenband und Itzchak Belfer fand am 5. August 2004 am „Korczak Day“ in Yad Vashem in Jerusalem statt, wo die Band ihr Stück aufführte. Am Mischpult, bei Wolfgang Erley, stellte sich Belfer kurz vor und ließ einen Flyer mit Abbildungen von Bildern und Skulpturen und Lebenslauf zurück. „Die Anschrift darauf war leider falsch“, erzählt Rex, der später versuchte, Kontakt aufzunehmen. Bis zum Briefwechsel dauerte es eine Weile.
Als Rex jetzt im Juli in Israel war, meldete er sich bei ihm an. „Ich habe geklingelt. Er öffnete die Tür und breitete weit die Arme aus.“ Jetzt hofft Rex auf große Resonanz bei Wülfrathern und Auswärtigen bei allen Veranstaltungen mit Itzchak Belfer. Es sei vielleicht die letzte Gelegenheit, Zeitzeugen zu sehen und zu hören. Im Kollegium des Gymnasiums hat Rex Veranstaltungen und Hintergründe vorgestellt. Als Lehrer in verschiedenen Klassen dafür warben, zeigten sich zahlreiche Schüler zum Thema bestens informiert. „Einige hatten auf dem jüdischen Friedhof in Lettland mit an der Geschichte gegraben“, räumt Rex ein. Er möchte die Veranstaltungen auch als Signal verstanden wissen. „Angesichts rechtsradikaler Übergriffe soll deutlich werden, dass Jugendliche sich hier mit dem Thema Holocaust und Janusz Korczak befassen.“
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