Wülfrath: Zu Fuß Klangraum Natur erobert
VON R. MAIROSE-GUNDERMANN - zuletzt aktualisiert: 19.05.2007Düsseldorf (RPO). ‘ REPORTAGE Mit rund 80 Teilnehmern war die Musikalische Wanderung zur Neanderland-Biennale gut besucht.
Auf dem Weg zwischen renaturiertem Bruch und Bäumen, Büschen und überwachsenen Steinen wurden munter Lieder geschmettert.Schon die Neandertaler konnten singen. Sie sollen teils mit Sprache, teils mit melodischem Gesang kommuniziert und sich möglicherweise sogar Lieder vorgesungen haben. Der englische Archäologie-Professor Stephen Mithen hat es herausgefunden und vor zwei Jahren in dem Buch, „Singing Neanderthaler“, veröffentlicht.
Auf der „Musikalischen Wanderung“ rund um Schlupkothen erzählt Tilmann Wohlleber, Intendant der Neanderland-Biennale, von dem uralten Brauch. Damit ist auch dem letzten Teilnehmer klar, warum die Biennale-Veranstaltung am Himmelfahrtstag so gut besucht und die Sangesfreude so groß ist. Treffpunkt für Chorgemeinschaft Deutsche Sänger, Frauenchor „Arion“, Geigerin Ruth-Maria Kosow, Akkordeonspieler Lothar Müller und alle Wanderfreudigen ist am Parkplatz Kreisverkehr Hammerstein. Wohlleber erscheint mit leerem Kinderwagen. „Für das Akkordeon“, fragt Müller erfreut. „Ne, schon für meinen Sohn.“ Zeittunnel-Leiterin Andrea Gellert verscheucht optimistisch den letzten Nieselregen. „Das Wetter ist uns wohlgesonnen.“
Sonntag geht’s weiter
Termine: Neanderland-Biennale Sonntag, 20. Mai, 16 Uhr, Zeittunnel, Konzert Musikfreunde Wülfrath, „Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels“.
Dienstag, 29. Mai, 20-22 Uhr, Musikalischer Fackelzug durch die Wülfrather Altstadt, „Ein Zug in die Nacht“. Beginn Stadtpark, Ende Kirchplatz/ Stadtkirche. Mitwirkende: Chöre, Kalkstädter, Trommelgruppe, Turmbläser, Theater Minestrone und weitere.
Kein Feuer, keine Kohle
Den musikalischen Einstieg machen die Deutschen Sänger noch auf dem Parkplatz mit, „Jetzt fahr‘n wir übern See“ und „Kein Feuer keine Kohle“. Los geht‘s. Gut 80 Leute, Kinderwagen, Hunde. Geige und Akkordeon vorn. „Sur le ciel de Paris“ erklingt. Wandern im Dreiviertel-Takt. Vogelgezwitscher begleitet die Truppe auf dem Euroga-Wanderweg. „Neanderländer“ Frank Bahrenberg schließt sich an. An der Aussichtsplattform berichtet Andrea Gellert über den ersten vollmechanisierten Steinbruch. Flaschengrün leuchtet das Wasser im renaturierten Bruch. „Hier war ich noch nie“, sagt eine Wülfrather Sängerin. „Wie, warst du hier nie schwimmen“, wundert sich ein Sangeskollege.
Der Zwischenstopp wird zum gemeinsam Lied genutzt. „Der Mai ist gekommen.“ Vorbei an urwüchsigem Gestrüpp und dichtem Grün vergeht die Wanderung bis zum Kommunikations-Center von Bernd Kicinski wie im Fluge.
Es riecht nach heißen Würstchen. „Schmeckt 100 Prozent“, strahlt Karin Schlüter. Unter die Wanderer mischen sich am Kommunikations-Center rund 30 weitere Musikinteressierte. Geige und Akkordeon verzaubern mit „La Seine“ und „La Mer“. Auf der Naturbühne lässt der Velberter Chor „Arion“, unter Werner Holzhauer, sehr schön, „Leuchtet der Morgen“ erklingen. „Wenn ihr eure Würstchen verdrückt habt, seid ihr alle eingeladen, wieder zu singen“, sieht sich Wohlleber im Rund der Tische und Bänke um. Nebenher berichtet er über die Entstehung der Wandervogel-Bewegung um 1900. An Hunger und Durst gestärkt schmettern alle aus den Liederheften, die von der Biennale-Organisation für die Veranstaltung erstellt wurden. „Geh aus mein Herz“, „Grün, grün, grün“, „Horch, was kommt von draußen rein“.
Poppiges Repertoire
Auf dem Rückweg findet neben dem Steinbruch noch einmal ein großer Sanges-Stopp statt. Die Neanderland-Biennale trägt den Titel „Klangräume.“ Auf dem Weg zwischen renaturierten Bruch und Bäumen, Büschen, überwachsenen Steinen entdecken die Wanderer vollends den Klangraum Natur. Bei flottem „Das Wandern ist des Müllers Lust“, „Hoch auf dem gelben Wagen“ und vielem mehr. Am Zeittunnel geht es musikalisch weiter. Hier präsentieren sich die „Young Voices“ mit Beispielen aus ihrem frischen poppigen Repertoire.
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