Lokalsport: Ein furioser Finallauf
VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 02.07.2012Lokalsport (RP). Sanaa Koubaa von der LG Stadtwerke Hilden beweist bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Helsinki ihre überzeugende Form. Eine Chance auf die Olympia-Qualifikation bleibt ihr noch.
Hilden/Helsinki Sanaa Koubaa hat allen Grund stolz auf ihre Leistung zu sein. Sie hat bei ihrer ersten EM-Teilnahme mit Bestzeit den Endlauf über 3000 Meter Hindernis erreicht und ist dabei sportlich über sich hinaus gewachsen. Dennoch wirkte die Athletin der LG Stadtwerke Hilden nach ihrem Finallauf körperlich erschöpft und enttäuscht. Abgeschlagen hatte sie als 14. das Ziel erreicht und mit ihrer Zeit von 10:02,33 Minuten die angestrebte Olympia-Qualifikation deutlich verpasst.
"Natürlich war sie im ersten Moment enttäuscht. Besonders mit Blick auf die Zeit hat sie jetzt schon andere Ansprüche. Wenn sie eine Zehn vorne sieht, ist das in ihren Augen ein schwaches Ergebnis. Doch sie hat grundsätzlich alles richtig gemacht", betont Bundestrainer Tobias Kofferschläger. Er betreute Sanaa Koubaa während der Titelkämpfe in Helsinki mit, da ihr Heimtrainer Wolfgang Kamps zwar auf eigene Kosten vor Ort war, ohne Akkreditierung jedoch nicht so nah an seine Athletin herankam.
Letzte Chance
Bei der internationalen Leichtahletik-Gala im Bottrop hat Sanaa Koubaa am Freitag, 6. Juli, um 19.25 Uhr im Rennen über 3000 Meter Hindernis die letzte Chance, die Olympia-Norm von 9:39 Minuten zu schaffen. Danach läuft die Meldefrist für London ab.
Ihre Bestzeit liegt seit dem Vorlauf in Helsinki bei 9:43,08 Minuten. Sie muss sich also noch einmal deutlich steigern und ohne Sturz über die Hindernisse kommen.
Sanaa Koubaa entschied sich bereits 600 Meter nach dem Start dazu, den Lauf mitzugestalten. Da die Spitze sich auf ein vorsichtiges Taktieren konzentrierte und wenig Interesse zeigte, das Tempo zu verschärfen, lief die Hildenerin vorneweg, um ihr Ziel, die Olympia-Norm, doch noch zu erreichen. "Sie hat die Initiative ergriffen, um ihre Chance zu nutzen. Das war mutig, doch nach der Hälfte des Rennens konnte sie nicht mehr mithalten", analysiert Tobias Kofferschläger.
Viel Kraft kostete Sanaa Koubaa die kenianische Variante am Wassergraben. Statt auf den Balken zu treten, übersprang sie mit einem Satz das gesamte Hindernis, landete tief im Graben, strauchelte und konnte ihren Lauf erst danach fortsetzen. "Das war die einzige Möglichkeit, die sie hatte. Im Feld ging es turbulent zu, sie war zu nahe an den Balken herangekommen und musste springen. Dafür hat sie das gut gemeistert", lobt der Bundestrainer. Er hofft, dass die Hildenerin am nächsten Wochenende beim internationalen Meeting in Bottrop ihre letzte Chance nutzt, doch noch in London dabei zu sein.
"Sie hat bewiesen, dass sie in einer hervorragenden Form ist. Sie wird das Rennen offensiv angehen und alles versuchen." Entscheidenden Einfluss auf den Erfolg hat dann jedoch ihre körperliche Verfassung. Sie muss sich nach den zwei harten Rennen innerhalb von zwei Tagen schnell regenerieren und neue Kraft schöpfen. "Mit ihrem Heimtrainer Wolfgang Kamps wird sie nur einige lockere Einheiten absolvieren. Ihre Hauptaufgabe ist die Erholung", sagt Tobias Kofferschläger. Er kehrt heute Abend mit Sanaa Koubaa nach Deutschland zurück.
Zuvor hatte die Hildenerin noch die Möglichkeit, die letzten Entscheidungen im Stadion mitzuverfolgen, und die Abschlussfeier ihrer ersten großen internationalen Meisterschaft zu erleben. "Am Morgen nach dem Rennen habe ich sie beim Frühstück getroffen, da ging es ihr schon wieder ganz gut. Sie kann sich erhobenen Hauptes aus Helsinki verabschieden. Sie läuft jetzt in einer anderen Liga und das war eine tolle Erfahrung für sie." Auch ohne Olympia-Qualifikation hat Sanaa Koubaa allen Grund, stolz auf das zu sein, was sie geleistet hat.
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