Handball: Ratingern in „Meistersuppe spucken“
VON RAINER THRON UND ERWIN ROOS - zuletzt aktualisiert: 11.05.2007– Mettmann-Sport II. Der TV Ratingen musste seine geplante Aufstiegsfeier vertagen. Nach 22 Spielen ohne Niederlage verlor der Spitzenreiter der Handball-Verbandsliga beim Tabellendritten HSG Mülheim mit 31:34 (16:16). Und Trainer Manni Brunke hatte die Schuldigen sofort ausgemacht – die Schiedsrichter Flegel und Haneke.
Kinderkram gepfiffen
„Die haben Kinderkram gepfiffen“, schimpfte er. „Zudem völlig einseitig. Gegen die konnten wir nicht gewinnen.“ Allerdings waren die starken Mülheimer nach ihrer 25:22-Führung und erst recht nach einer Doppelstrafe für Brunke sowie den roten Karten für Langenmayr und Böcker nicht mehr vom Erfolgsweg abzubringen. Auch der bärenstarke Daniel Hattig (12/3) konnte die Pleite nicht abwenden.
Thomas Oberwinster hatte sich schnell gefasst. „Zu Hause Meister zu werden, ist doch viel schöner“, sagte der Handball-Chef des TVR. Auch die meisten Anhängern sind sicher: Nichts sollte die Ratinger aufhalten, den Meistertitel in der heimischen Halle am Europaring einzufahren. Doch zwischen gesundem Selbstbewusstsein und gefährlicher Überheblichkeit ist häufig ein schmaler Grad.
Der Spitzenreiter empfängt am Samstag (18.30 Uhr) zwar „nur“ den Drittletzten ME-Sport II. Doch die Mettmanner haben zuletzt durch den überraschenden 36:33-Sieg gegen den TuSEM Essen den Klassenerhalt gesichert. Und was gibt es Schöneres, als einem – nach eigener Ansicht – übermächtigen Lokalrivalen in die „Meistersuppe zu spucken“.
Ein gewisser Druck ist da
Inzwischen ist der Frust von Manni Brunke weitgehend abgeklungen: „Dass wir verloren haben, ist nicht schlimm. Die Mülheimer sind über sich hinaus gewachsen. Das erlebt man oft, wenn es gegen den Spitzenreiter geht. Deshalb war Mülheim zu dieser großen Leistung fähig.“ Der TVR-Coach fordert aber auch: „Wir werden die Mettmanner bestimmt nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ein gewisser Druck ist schließlich bei uns vorhanden. Aber die Zeichen stehen ausschließlich auf Sieg.“ Der junge Simon Kremer fehlt wegen der Abi-Fahrt, Holger Auer bangt aus beruflichen Gründen, ob er pünktlich sein kann. Christian Böcker, Raoul Langenmayr und Mathias Gloyna sind nicht fit, wurden im Training geschont. Marketingleiter Dirk Fuck warnt: „Es kann tödlich sein, einen Gegner zu unterschätzen.“
Außenseiter kündigt Kampf an
Das Mannschaft des scheidenden Trainers Kai Buschhaus ist zwar krasser Aussenseiter, will sich aber nicht kampflos geschlagen geben, denn im Lokalderby geht es auch ums Prestige. Im Hinspiel hatten sich die Ratinger klar mit 34:25 durchgesetzt, weil Daniel Hattig einen „Sahnetag“ erwischt hatte. Doch morgen steht nur das Brunke-Team unter Druck, das sich keine Niederlage leisten darf. Selbst ein Unentschieden kann zu wenig sein: Radevormwald/Herbeck liegt einen Zähler zurück, wäre nach einem Sieg beim TuSEM Essen punktgleich und dank des besseren direkten Vergleichs Meister und Aufsteiger.
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