Handball: Wie eine Traumfabrik
VON MICHAEL DEUTZMANN - zuletzt aktualisiert: 05.05.2011Die Handballer der SG Langenfeld spielen 2011/2012 in der Oberliga. Der Erfolg ist die Belohnung für eine gute Personalpolitik und vernünftiges Wirtschaften. Das nächste Jahr muss aber nicht das Ende der Fahnenstange sein.
Der Abend und die Nacht waren ausschließlich für den Genuss da. Verständlich: Die Handballer der SG Langenfeld (SGL) hatten nach dem 29:25 über den Ohligser TV vorzeitig die Meisterschaft in der Verbandsliga und den Aufstieg in die Oberliga geschafft. Unitas Haan muss sich mit dem Vizetitel begnügen, hat aber noch Aufstiegschancen. Möglicherweise wird es noch etwas dauern, bis bei den Meistern Platz für den Alltag und den Rest der laufenden Saison ist (zwei Spiele). Der Blick ist aber wieder klar: "Unser einziges Ziel ist es, nicht abzusteigen", sagt Abteilungsleiter Klaus Majeres, "wir wollen uns im ersten Jahr in der Oberliga etablieren."
Der einzige Zugang von außerhalb ist nicht mal ein echter Neuer, denn André Eich (22/zuletzt für die Oberligisten SG Solingen BHC 06 II und DJK Adler Königshof unterwegs) trug früher als Jugendlicher bereits das SGL-Trikot. Nun soll er Langenfeld als Regisseur verstärken. Eich passt im Anforderungsprofil perfekt zum bestehenden Kader, dem viele junge Spieler aus den eigenen Reihen angehören – wie Matthias Herff (22), Alexander Klimke (23) oder Niklas Körner (21). Selbst die etwas erfahreneren Stefan Wagener (24) und Christian Majeres (24) befinden sich erst auf dem Weg ins beste Handball-Alter.
Wurzeln und Werben
Vor der Saison 2010/2011 kamen Fabian Düllberg und Sven Kniesche gemeinsam vom Oberligisten SG Solingen BHC 06 II zur SG Langenfeld (SGL). Für Kniesche (20) war es irgendwie nur eine Rückkehr zu den Wurzeln, denn der talentierte Linkshänder verbrachte seine ersten Handball-Jahre nur in Langenfeld.
Düllberg (25), heftig von einigen anderen Klubs umworben, musste auch wegen seiner Zweitliga-Erfahrung sofort als Führungskraft gelten. Den Star gab der Rückraumspieler trotzdem nie. Als äußerst mannschaftsdienlicher Spieler kam er auch über schwächere Phasen – und auf insgesamt immerhin 93 Tore in 18 Einsätzen.
Team-Senior ist mit 32 Jahren der spielende Co-Trainer Kai Wille – ein Ur-Langenfelder. Spielmacher Fabrice Voigt (31), vor gut einem Jahr über verschiedene Stationen zurückgekehrt, hat seine sportlichen Wurzeln ebenfalls in der SGL. Mehr oder weniger dicht vor der 30 stehen sonst nur Keeper Tobias Kottwitz (29), der bald operiert wird (Kreuzbandriss), und Kreisläufer Andreas Nelte (wird am Freitag 29), der das beste Beispiel für den gelungenen Einbau auswärtiger Spieler ist. Der 28-Jährige kam 2007 aus Burscheid und ist längst in Langenfeld zu Hause (wohnt in Richrath). Ähnliches gilt für Linksaußen Vinzenz Preissegger (seit 2008 dabei).
"Wir werden bei neuen Spielern immer darauf achten, dass sie zu uns passen", betont Majeres. Damit liegt er auf einer Wellenlänge mit Trainer Heino Kirchhoff, der sein Team bereits vor dem Sieg über Ohligs geadelt hatte: "Die Mannschaft hat einen sehr guten Charakter."
Finanzielle Abenteuer bleiben in sämtlichen Gedankenspielen tabu. Der Vorsitzende Karl Bruser stellt für den Gesamtverein ein Grundgesetz auf: "Wir werden nie einen Spieler für viel Geld von außen einkaufen." Die SGL beschäftigt die Trainer, alle anderen Mittel müssen sich die Handballer, nicht nur für die erste Mannschaft, selbst beschaffen. Beruhigend: Der Etat für die Oberliga 2011/2012 ist gesichert. Unter anderem deshalb gehen die Gedankenspiele weiter. Frage: Was ist machbar? Majeres hat eine interessante Idee: "Schritt eins ist drinbleiben. Schritt zwei ist oben mitspielen. Schritt drei ist – mal sehen." Damit dürften zwar neue Strukturen nötig sein, aber die Beschäftigung mit dem nächsten Traum ist auch ein Genuss.
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