Ratingen: 2500 Metaller in West
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 20.02.2008 - 12:20Düsseldorf (RPO). Vor der vierten Verhandlungsrunde in der Stahlindustrie gab es gestern eine Kundgebung vor dem Relexa-Hotel. Die Berliner Straße war auf einer Länge von etwa 200 Metern vor dem Hotel für den Verkehr gesperrt. In der Nacht zu Mittwoch gab es dann einen Durchbruch bei den Verhandlungen.
Luigi Costanza bläst abwechselnd in seine knallrote Trillerpfeife und zieht nervös an seiner Zigarette. Hinter ihm hebt sich eine brennende „Acht“, aus Stahl geformt und von ihm und seinen Kollegen von ArcelorMittal Duisburg gefertigt, feuerrot vom blauen Himmel ab. „Mehr-muss-her“-Sprechchöre schallen über den Vorplatz des Relexa-Hotels an der Berliner Straße. Aus dem Meer aus IG-Metall-roten Kappen ragen Schilder mit Aufschriften wie „Für gute Arbeit – gutes Geld“ und „Der Stahlboom ist keine Eintagsfliege – 8 Prozent mehr Lohn und Gehalt für 12 Monate“.
Viele markige Worte
Irgendwer verteilt Suppe an die Arbeiter, eine geliehene Feuerwehrsirene, Klappern und Schellen machen einen Mordslärm – Arbeitskampf in Ratingen. Nach Angaben der IG Metall sind es gestern mehr als 2500 streikende Stahlarbeiter gewesen, die zu Warnstreiks nach West gekommen sind. Dort rangen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter in der vierten Verhandlungsrunde um einen Tarifabschluss für die Stahlindustrie in Westdeutschland. Ratinger Arbeiter waren nicht dabei.
Ähnlich markige Worte wie auf den Schildern haben auch die Redner der Gewerkschaft parat, allen voran Verhandlungsführer Oliver Burkhard. Sollte nicht die Fünf vor dem Komma stehen, stünde „einer der härtesten Kämpfe bevor, den die westdeutsche Stahlindustrie je gesehen“ habe. Für die Ratinger Bevölkerung war das bis auf den zeitweisen Lärm kaum von Bedeutung. Verkehrstechnisch lief alles glimpflich: Lediglich das Stück der Berliner Straße vor dem Hotel ab einer Länge von etwa 200 Metern war für den Verkehr gesperrt, eine Umleitung wurde über die Stendaler Straße ausgeschildert. Auch die Busse, mit denen die Stahlarbeiter ankamen, fuhren gleich wieder ab und wurden auf dem Schützenplatz in Düsseldorf-Rath geparkt.
Als Burkhard und Helmut Koch, Verhandlungsführer für die Arbeitgeber, gegen halb vier schließlich mit einer halben Stunde Verspätung hinter verschlossenen Türen im Tagungssaal „Berlin“ im Relexa-Hotel verschwinden, geht es für die Stahlarbeiter schon wieder zurück in die Busse.
Auch Luigi Costanza hat da seine „Acht“ schon abgebaut. Auch inhaltlich sei sie vom Tisch. „Wir müssen uns ja in der Mitte treffen“, sagt Costanza. Die Fünf müsse einfach vorn stehen. Er hoffe aber doch, „Druck gemacht zu haben“. So ging auch Burkhard in die Verhandlungen. Der IG-Metall-Verhandlungsführer betonte: „Gute Abschlüsse scheuen das Tageslicht und lieben schon mal einen Datumswechsel.“
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