Heiligenhaus: Abenteuer mit dem Dudelsack
VON SANDRA KREILMANN - zuletzt aktualisiert: 06.02.2012Heiligenhaus (RP). Im Museum Abtsküche spielten am Samstagabend die "Spillÿck" (niederbergisch für Spielleute) auf. Mit Dudelsack, Akkordeon und Percussion ging es auf eine große Entdeckungsreise durch den Kölner Dom. Die begeisterten Zuschauer verabschiedeten die Künstler lautstark.
Die Spielleute waren in der Stadt und sie entführten mit mittelalterlichen Klängen in vergangene Zeiten. Auf einem belebten mittelalterlichen Markt vielleicht oder gar in einer gut belebten Halle wähnten sich die vielen Zuschauer, als das Quartett Spillÿck am Samstagabend im Museum Abtsküche aufspielte. Die Spielleute hatten dabei viele Instrumente mitgebracht. Allen voran der Dudelsack, der im Mittel- aber nicht im Vordergrund stand. Denn in einer "Multimedia-Tour" gab es zugleich Einsichten in den Kölner Dom auf der Leinwand.
Von Polka bis Balladen
War die Sackpfeife früher auch als "Instrument des Teufels" verpönt, sind die Musikanten mit dem eigenwilligen Instrument auf 17 bisher bekannten Darstellungen im Dom verewigt, ob im Mosaik versteckt, als Chorpfeilerengel oder im Eingang an der Bronzetür. Ein Zeugnis dafür, dass das Instrument nicht nur von Spielleuten, sondern auch als Kircheninstrument eingesetzt wurde. "Manche Künstler allerdings hatten wohl trotzdem nicht die rechte Ahnung, wie man einen Dudelsack spielt", so Christian Starke (Dudelsack, Schalmei, Flöten) in seiner Moderation.
Wie der Dudelsack klingt, wenn man ihn richtig spielt, bewiesen die Musiker dann in unterschiedlichsten Stücken, von Polka bis Balladen. Die Künstler ließen sich von den Darstellungen inspirieren. Sie spielten Interpretationen von bekannten Komponisten wie Johann Wilhelm Wilms oder Händel sowie Eigenkompositionen. Aber es waren nicht nur die Dudelsäcke, die erklangen, Thórralf Schuh zauberte mehrere Percussioninstrumente aus dem Hut, wie die iranische Rahmentrommel und den rheinländischen Rommelpott, auch Brummtropf genannt, der ungewöhnliche Töne hervorbringt.
Ruthilde Holzenkamp bediente das Akkordeon und die Kastagnetten aus Jakobsmuscheln. Das Quartett nahm die Zuschauer mit auf eine abenteuerliche musikalische Reise. Mit dem schottischen Dudelsack Klassiker "A Highlands Cathedral" eröffneten sie den Abend und schlugen damit auch gleich den Bogen zum Thema: Dudelsack im Kölner Dom. Denn das Stück ist zugleich die Grundlage für den Bläck Fööss-Klassiker "Du bess die Stadt". Das Quartett hat sich der rheinischen Musik verschrieben, wagt aber auch den Blick darüber hinaus – überall dorthin, wo auch der Dudelsack zu finden ist, nicht nur im Bergischen. Italien gehört dazu, Schottland und Spanien. "Die meisten Dudelsackspieler leben wider Erwarten nicht in Schottland, sondern in Spanien", erzählte Rafael Daun (Dudelsack, Gitarre). "In Galizien ist der Dudelsack ein sehr populäres Instrument und wird sogar in den Schulen unterrichtet." Mit dem experimentellen Stück über die "Wal-Heimat-Rhein" erinnerten sie an die Besuche von Walen im Rhein.
Mit dem bergischen Heimatlied beendeten sie das Konzert vor vollem Hause und wurden von Zuschauern lautstark mitsingend verabschiedet. www.spillyck.eu
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum