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Ratingen: "Ältere sind so jung wie nie"

zuletzt aktualisiert: 20.12.2010

Düsseldorf (RPO). montagsinterview Die Ratingerin Henrike Müller-Moll (62) hat ein Buch geschrieben über ein nicht nur von Frauen gefürchtetes Ereignis: das Näherrücken des 60. Geburtstags. Das humorvolle Büchlein ist leicht zu lesen. Im Januar wird die Autorin es im Medienzentrum vorstellen.

Ganz und gar nicht farblos: Henrike Müller-Moll schreibt Bücher über Frauen und hat auch einige männliche Fans.    Foto: RPO
Ganz und gar nicht farblos: Henrike Müller-Moll schreibt Bücher über Frauen und hat auch einige männliche Fans. Foto: RPO

Blonde, nicht ganz schulterlange Haare, cremefarbener Zopfpulli, nougatfarbene Veloursröhre, schwarze Schneestiefel – gestatten, Henrike Müller-Moll. 1948 wurde sie in Bonn geboren ("Ich bin ein Bonner Mädchen") und lebt seit 26 Jahren in Ratingen. Verheiratet und Mutter eines Sohnes. Schneiderlehre und Ausbildung zur Modedesignerin an der Modeschule Düsseldorf, Ausbildung zur Modejournalistin, später Buchautorin und Rotarierin, die 2011 als Präsidentin das Programm des Inner-Wheel-Kreises gestalten wird. Im September 2009 veröffentlichte sie nach verschiedenen Kinderbüchern ("Ich wollte immer die Astrid Lindgren von Ratingen sein") ihr autobiografisch grundiertes, munteres Büchlein "Ein Rabenaas wird 60". Im Januar wird sie es im Medienzentrum vorstellen.

Es soll nicht wenige Frauen geben, die ihr Alter streng geheim halten. Sie hingegen schreiben gleich ein Buch darüber. Warum?

Müller-Moll Ich wollte mir selber den Schrecken nehmen vor dieser Zahl, davor, bei jedem Blick in den Spiegel zu fürchten, dass ich plötzlich noch mehr Falten habe, langsam die Zähne verliere, alle diese Schreckgespenster. Da wollte ich lieber offensiv sein, habe zum Stift gegriffen und einfach losgelegt. Ich bin erst einmal gar nicht davon ausgegangen, dass ich dafür jemals einen Verlag finde.

Daher der etwas privat anmutende Titel "Ein Rabenaas wird 60". Was steckt dahinter?

Müller-Moll Ich war ja immer ein liebes Kind. Jetzt, mit 62 Jahren, kommt auch mal das Rabenaas zum Vorschein. Früher habe ich mir viel gefallen lassen, das ist jetzt anders, da bin ich schon selbstbewusster geworden, frecher. Und wenn in meinem Umfeld etwas Unrechtes passiert, dann gehe ich sowieso dazwischen. Mit Humor kann man ja jedem auch mal was vor den Latz knallen.

Deutet sich da schon die Kernbotschaft Ihres Buchs an?

Müller-Moll Die lautet: Älterwerden kann eine feine Sache sein, wenn man nicht das Interesse daran verloren hat, die Dinge zu hinterfragen. Und noch Lust darauf hat, immer wieder mal etwas Spannendes zu machen. Jeder hat doch irgendeine Begabung. Außerdem gilt es, dafür zu sorgen, dass man nicht allein ist. Seine Freundschaften sollte man, egal in welchem Alter, immer gut pflegen, denn sie sind von großer Bedeutung.

Am Thema Älterwerden haben sich schon einige Autoren versucht. Welche Nische haben Sie gefunden?

Müller-Moll Ich habe, glaube ich, die Gabe, witzig über ein im Grunde sehr ernsthaftes Thema schreiben zu können. In meinem Buch, das ja den Untertitel "Heitere Betrachtungen über das Älterwerden und andere Phobien" trägt, arbeite ich mit lebensnahen Beispielen aus meinem persönlichen Umfeld. So ausgiebig, dass sich Bekannte schon bei mir beschwert haben. Bei meinem nächsten Buch bin ich vorsichtiger . .

Wieder ein Projekt übers Älterwerden?

Müller-Moll Ja, diesmal geht es darum, wie vier Freundinnen um die 60 diesen Wandel erleben. Mehr verrate ich aber noch nicht.

Ist Ihr aktuelles Buch auch etwas für Männer?

Müller-Moll Ich habe einige männliche Fans, die das Buch gelesen haben, um Frauen um die 60 besser zu verstehen. Es gibt aber auch männliche Kritiker. Die haben, glaube ich, nicht verstanden, dass mein Buch absichtlich überspitzt geschrieben ist. Die haben das alles einfach viel zu ernst genommen.

Mode ist von Berufs wegen ja auch ein Thema in Ihrem Buch. Was zieht frau denn so an mit 60?

Müller-Moll Auf keinen Fall Rüschen und Geblümtes und auch nicht immer diese farblosen Sachen, die unsichtbar machen. Modegeschäfte brauchen meiner Meinung nach altersmäßig gemischtes Personal, um auch Frauen jenseits der 50 gut zu beraten. Ich selber mag am liebsten eine Jeans und dazu Schmuck und ein schickes Jäckchen. Vor allem wenn es mir mal nicht so gut geht, beherzige ich den Rat meiner Mutter: Kind, zieh dich gut an und schminke dich sorgfältig, dann fühlst du dich gleich viel besser. Bei mir wirkt's.

Aber ist nicht gerade das mit dem schick Anziehen so ein uralter Zwang, den ein Rabenaas gerne mal hinter sich lassen will?

Müller-Moll Die Sachen müssen natürlich bequem sein und der Stimmung entsprechen. Sicher erkennt man irgendwann, dass es verschwendete Zeit ist, immer der neuesten Mode und der Schönheit hinterher zu jagen. Das gilt vor allem für junge Frauen. Jede junge Frau ist doch schön und sollte ihre Zeit lieber in philosophische Bücher investieren, etwas fürs Gehirn tun, damit sie auch Substanz und etwas zu sagen hat. Wenn man bloß schön ist und sonst nichts, dann wird das Älterwerden schlimm.

Gibt es eine prominente um die 60-Jährige, die Sie vorbildlich finden?

Müller-Moll Hannelore Elsner, die liebe ich, das ist eine ganz taffe Person. Aber auch die weniger prominenten Älteren und Alten sind doch heutzutage so jung wie nie, und so unternehmungslustig. Frei nach dem Motto: "Ich kann nicht garantieren, dass ich meinen Kindern noch was zum Erben übriglasse." Und ich kann Ihnen sagen: Das ist bei mir auch nicht anders.

Cordula Hupfer stellte die Fragen.

Quelle: RP

 
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