Ratingen: "Ämter – keine lästige Pflicht"
zuletzt aktualisiert: 04.02.2012Ratingen (RP). mit Dr. Jan Heinisch. Der Heiligenhauser Bürgermeister und CDU-Kreisvorsitzende über die Chancen gezielter Stadtentwicklung, die Verknüpfung mehrerer Aufgaben und über seine persönliche Zukunft.
Der Haushalt der Stadt Ratingen ist wegen einer gewaltigen Gewerbesteuer-Rückforderung in Schieflage. Stehen die Heiligenhauser Etatberatungen unter einem ähnlichen Stern?
Heinisch Nein, die Lage ist nicht vergleichbar. Allerdings entwickeln sich, vorsichtig gesagt, die Gewerbesteuersummen in Heiligenhaus nicht nach oben. 2010 kamen auf diesem Weg gerade mal acht Millionen Euro herein, gäbe es einmal 20 Millionen, wären wir froh.
Gibt es spezielle Sorgenkinder unter den Unternehmen?
Heinisch Derzeit wohl nicht, wir haben in der Vergangenheit mit der Gießerei Hitzbleck und Kiekert & Nieland allerdings folgenreiche Insolvenzen erlebt.
Dr. Jan Heinisch
1993 trat Heinisch in die CDU ein. Von 1994 bis 2003 war er als sachkundiger Bürger im Stadtrat von Heiligenhaus vertreten.
Danach war er bis 2005 Vorsitzender der CDU Heiligenhaus.
2003/2004 war er Ratsmitglied und seit 2010 ist er Vorsitzender der CDU im Kreis Mettmann.
Seit 2004 ist Heinisch hauptamtlicher Bürgermeister von Heiligenhaus.
Macht Ihnen der offenbar bevorstehende Verkauf der Firma Kiekert Kopfzerbrechen?
Heinisch Es war von Beginn an klar, dass das jetzige Eigentümer-Konsortium kein langfristiges Interesse an Kiekert hatte. Der Verkauf nach China – wenn es denn so käme – wäre sicher nicht das Schlechteste. Fakt ist: China will an den Markt. Der Verkauf an einen deutschen Konkurrenten dagegen brächte uns unter Umständen in eine schwierigere Lage.
Abseits aller harten Wirtschaftsdaten setzt die Stadt Heiligenhaus auf weiche Standortfaktoren, stellt sich als qualitativ hochwertiger Lebensraum dar. Welche erkennbaren Effekte bringt das?
Heinisch Die Wahrnehmung der Stadt hat sich grundlegend verändert. Da geht es nicht nur um das Thema Entflechtungsstraße oder um Verkehr allgemein. Heiligenhaus wird als aufstrebende Stadt wahrgenommen. Ein Zahlenbeleg: Im Wohngebiet Grün-Selbeck haben wir eine Zuzugsquote von über 80 Prozent. Das sind Familien, die von außerhalb nach Heiligenhaus ziehen. Der dritte Bauabschnitt wird – früher als vorgesehen – an den Start gehen. Hinzu kommen neue Baugebiete am Nordring – dort für frei stehende Häuser und Doppelhaushälften, außerdem in Isenbügel. Unsere Strategie ist klar: Wir wollen den Standort Heiligenhaus in den gefragten Segmenten positionieren.
Spricht nicht die demografische Entwicklung allgemein dagegen, ganz gezielt auf junge Familien zu setzen? Heiligenhaus wird doch eine tendenziell alternde Stadt bleiben.
Heinisch Ich halte nicht viel von solchen Prognosen. Nicht, weil sie für Heiligenhaus schlecht sind, sondern weil sie generell ein zu grobes Raster anlegen, das die aktuelle Wirklichkeit nicht wiedergeben kann. Man versucht darin viel zu sehr, vergangene Entwicklungen fortzuschreiben. Bei den vielen Veränderungen in Heiligenhaus ist das unpassend.
Bauland ausweisen ist eins, wie steht es mit der Heiligenhauser Infrastruktur?
Heinisch Ganz klar: Wir müssen die Wege in nahe Oberzentren optimieren. Meine Vision: Schnellbusse fahren auf der A 44 von Heiligenhaus nach Düsseldorf – mit dem Bus am Stau vorbei, sozusagen. Das Thema ist übrigens auch schon aufgerufen, wenn es um die Fortschreibung der Nahverkehrspläne für die kommenden Jahre gehen wird.
Für die Stadt setzen sie auf ein Plus an Lebensqualität – wie steht es um die eigene, wenn sie zugleich für die CDU auf Kreis- und Bezirksebene arbeiten, als Bürgermeister und als Chef des Landesverbandes der Feuerwehren?
Heinisch Um mit der Feuerwehr zu beginnen: Das ist ja keine lästige Pflicht, genauso wenig wie Parteiarbeit oder kommunale Verwaltung es für mich sind. Es geht darum, ein Gleichgewicht hinzukriegen. Und das funktioniert. Zeit verschaffe ich mir unter anderem dadurch, dass ich grundsätzlich aufs TV verzichte und dabei nichts vermisse.
Trotz Gleichgewicht und Freude an der Tätigkeit haben sie einmal klargestellt, nicht noch einmal als Bürgermeister kandidieren zu wollen und keine Karriere als Parlamentarier anzustreben. Ist das noch aktuell?
Heinisch Man ist hin- und hergerissen. Ich möchte als Bürgermeister die Themen Hauptstraße, Kiekert-Areal, den Panoramaradweg und das Gewerbegebiet Grüner Jäger fertiggestellt wissen. Was die persönliche Zukunft anbelangt: Bisher habe ich alle durchaus vorhandenen Alternativen ausgeschlagen.
Das heißt, Sie schließen eine erneute Kandidatur für das Bürgermeisteramt doch nicht mehr kategorisch aus?
Heinisch Ich wurde von vielen Menschen angesprochen, ob ich nicht ein weiteres Mal antreten wolle. Mal sehen, was in drei Jahren ist.
Norbert Kleeberg und Paul Köhnes stellten die Fragen.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum