Ratingen: Alles „fluffig“ oder was?
VON DANIELA V. DELLINGSHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 29.09.2008Düsseldorf (RPO). Der Comedian Ralf Schmitz brachte den Saal der Dumeklemmerhalle mit seinen spontanen Späßen zum Kochen. Ratinger durften mitmachen und erfanden prompt „fluffiges Klopapier“.
Die Stadthalle ausnahmsweise mal als Warenhaus? Und das am Abend, nach offiziellem Geschäftsschluss, mit verriegelten Türen und ausgeschalteten Lichtern? Auf diese Idee käme so schnell wohl niemand in der Stadt. Außer, man heißt Ralf Schmitz und gibt genau dort ein Gastspiel. Schmitz, eine Ausgeburt an Spontaneität, ein Energiebündel und Verbal-Akrobat, kaum einen Meter siebzig groß, war es, der diesen Ort für einen Abend zu einem imaginären Kaufhaus umfunktionierte. Für seine Performance.
Linksdrehendes Bakterium
Sofort machte er die Zuschauer zu seinen Verbündeten. Zweieinhalb Stunden lang, bis zum heiteren Schluss. Auf der Bühne standen Regale gefüllt mit Puppen, Spielen und Plüschtieren – Schmitz alleine hätte allerdings schon gereicht, um sie auszufüllen. Eine Szene nach der anderen spielte der quirlige Künstler. Er, der sein Privatleben mit einer Hauskatze teilt, referierte über „Abwehrkörperchen“, parodierte dabei ein „linksdrehendes Milchsäurebakterium“, philosophierte über die Arroganz seiner Katze („Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal“) oder sang über Barbies eher geschlechtsneutralen Partner Ken.
Vor allem sprach – und spielte – er immer wieder mit den Zuschauern. Fischte sich dazu bereitwillige „Opfer“ aus dem Publikum, mit denen er seine Begabung in Sachen Spontaneität zum Besten gab. Eingebettet in eine „Warenumtausch-Szene“ entstand, im Dialog mit den Zuschauern, der Begriff des „fluffigen Klopapiers“: Schmitz sollte Ware umtauschen, wusste aber nicht, worum es ging. Das bestimmte das Ratinger Publikum per Zuruf, während er Kopfhörer auf hatte. Ein Dumeklemmer ließ ihn „fluffiges Klopapier“ umtauschen. Alle kannten es nun – nur Schmitz eben nicht. Mit Händen und Füßen musste er beim gespielten Umtausch das „fluffige Klopapier“ erraten – ein Heidenspaß, die Lachtränen kullerten. Situationskomik par excellence. Das „fluffige Klopapier“ zog sich dann wie ein roter Faden durch den Abend.
Ähnlich geartete Szenen gab es reichlich – und immer wieder kochte der Saal. So mancher Gast erinnerte sich dabei sicherlich an Schmitz’ Auftritte in der beliebten Fernsehserie „Schillerstraße“, wo der Künstler sein Talent in Sachen Spontan-Comedy häufig bewiesen hatte.
Der 33-jährige gebürtige Leverkusener hat dies von der Pieke auf gelernt. „Ich habe erst eine klassische Schauspielausbildung absolviert, hinterher aber sehr intensiv Improvisationstheater gemacht“, verriet er nach der Show gegenüber der RP.
Seine Stimme klang dabei heiser, wen wundert es, in der Hand hielt er eine Tasse Pfefferminztee. „Ich mag während meiner Auftritte gerne einen bunten Strauß aus Szenen pflücken, und dafür brauche ich einfach das Publikum. Zur Not habe ich natürlich auch immer Notgroschen in der Tasche, um das Programm auch alleine zu schmeißen.“ In Ratingen waren die Groschen jedenfalls nicht nötig. Mit „fluffigem Klopapier“ werden die Dumeklemmer zweifelsohne in die Annalen seiner persönlichen Show-Historie eingehen.
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