Ratingen: Asbest? Baustelle stillgelegt
VON JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 01.10.2007Düsseldorf (RPO). Bei den LEG-Papageienhäusern soll mit angeblich asbesthaltigem Material unsachgemäß umgegangen worden sein. Felix Gorris (Grüne) alarmierte die Behörden: Am Freitag sei die Baustelle stillgelegt worden.
WEST Bahnt sich rund um die „Papageienhäuser“, die derzeit saniert werden, ein Umwelt-Skandal an? Nach Angaben von Felix Gorris, grüner Ratsherr, wurde am Freitag vom Amt für Arbeitsschutz Wuppertal die Baustelle an einem der LEG-Hochhäuser „vorläufig stillgelegt“. Es sei „unstrittig“, dass dort asbesthaltige Platten entsorgt würden, habe er erfahren. In dieser Woche werde das Amt die Baustelle, die seit etwa einem halben Jahr existiert, genauer überprüfen.
Eine Mieterin habe den Stein ins Rollen gebracht, so Gorris gestern. Die 55-jährige Frau, die bis vor ein paar Wochen in dem Hochhaus an der Weimarer Straße lebte, sei am Grünen-Stand auf dem Berliner Platz erschienen und habe weinend ihr Leid geklagt: Die örtlichen Behörden hätten ihre Hinweise auf angeblich unsachgemäßen Umgang mit Asbestplatten und Mineralwolle nicht ernst genommen.
In die Tiefe geworfen
So sollen asbesthaltige Platten von den Balkonen in die Tiefe geworfen worden sein. Dort seien diese von einer Asbestentsorgungsfirma aus Viersen eingesammelt worden. Steinwollhaltige Isoliermatten seien ungeschützt mit starker Staubentwicklung zerkleinert worden. Gorris: „Bei den Badsanierungen wird die Spritzasbestisolierung der Rohre unter erheblicher Staubentwicklung entfernt. Die bei den vorstehenden Arbeiten entstehenden Stäube liegen dann auf allen Flächen und werden nicht entfernt. Das alles geschieht im Wesentlichen ohne erkennbare Schutzmaßnahmen für die Bewohner der Häuser und der beschäftigten Bauarbeiter.“ Mineralwolle habe „wochenlang“ aus geöffneten Schächten herausgehangen, so Gorris gegenüber der RP.
Er habe sich sofort an die Bauaufsicht des Kreises Mettmann gewandt und Druck gemacht. Dann sei das Amt für Arbeitsschutz tätig geworden. Ein Schadstoffkataster habe die betreffende Baufirma nicht vorlegen können, habe er erfahren. Gorris sorgt sich um die Gesundheit der Mieter: „Es besteht der dringende Verdacht des unsachgemäßen Umgangs mit den vorhandenen, hochgradig gesundheitsgefährdenden Schadstoffen Asbest, Mineralwolle und wahrscheinlich PCB. Dies führt zu einer absolut unzulässigen Gesundheitsgefährdung der Bewohner des Hauses und der Bauarbeiter. Dass die Bewohner in diesem Dreck und Chaos wohnen müssen und dafür auch noch die volle Miete zu zahlen haben, ist an sich schon ein Skandal. Wenn jetzt auch noch Gesundheitsgefährdung dazu kommt, ist das auf keinen Fall hinzunehmen.“
Gorris hat sich bereits mit einer Anfrage an die Stadtverwaltung gewandt: Die zur Sanierung anstehenden Gebäude an der Weimarer Straße und am Berliner Platz seien zu einer Zeit errichtet worden, als die hochgradig gesundheitsgefährdenden Stoffe wie Asbest, Steinwolle und PCB übliche Baustoffe gewesen seien.
Er will nun wissen, ob die LEG-Häuser vor Beginn der Sanierungsarbeiten auf solche Schadstoffe untersucht worden seien.
Und: „Welcher Schutz der Bewohner der Gebäude, der Bauarbeiter und der sich im Umfeld aufhaltenden Personen wurde getroffen?“ KOMMENTAR
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