Ratingen: Aus Liebe zur schlesischen Heimat
VON EVA STANNIGEL - zuletzt aktualisiert: 07.10.2008Düsseldorf (RPO). Das Ehepaar Helmut und Erika Krause sammelt Geld für die Restaurierung der Kirchenorgel in der polnischen Stadt Kaczorów. An dem aufwändigen Projekt wird seit Jahren gearbeitet.
„Es war bloß eine Idee“, sagt Erika Krause während ihr Mann die dicken Foto-Alben holt. Sie spricht von einem Projekt, dass die beiden mit viel Arbeit, Einsatz und Heimatliebe auf die Beine gestellt haben: die Restaurierung einer Orgel in der Kirche ihrer alten Heimat in Polen. Seit 1946 haben die beiden ihre Wurzeln zwar in Ratingen, doch vorher lebten sie in Ketschdorf/Niederschlesien, heute Kaczorów/Polen.
Zusammen mit 500 anderen Ketschdorfern waren die beiden nach Kriegsende vertrieben und nach Mettmann und Umgebung umgesiedelt worden, wo viele von ihnen eine neue Heimat fanden. Nachdem man den Kontakt untereinander jährlich bei einem Heimattreffen in Mettmann pflegte, besuchten die Krauses 1985 schließlich ihr Heimatdorf wieder, das erste Mal seit der Vertreibung.
Benefizkonzert
Zugunsten der Orgel- restaurierung in Ketschdorf/Kaczorów (Polen) lädt der Freundeskreis Ketschdorf zu einem Konzert für Sonntag, 12. Oktober, 18.30 Uhr, in St. Lambertus (Mettmann) ein. Zu Gast ist der studierte Musiker Marek Pilch, unter anderem mit Werken von Bach, Chopin und Vivaldi.
Spenden-Konto: 1013062010, Bank für Kirche und Diakonie Duisburg, BLZ: 35060190, Kennwort: Ketschdorf.
„Die Orgel klang so schlecht“
Man fühlte sich gleich willkommen und stellte den Kontakt zur polnischen Bevölkerung her. Schließlich wurde 2004 gemeinsam das 100-jährige Bestehen der Kirche begangen, das sich zu einem großen Dorffest entwickelte. „Umarmungen haben da Sprachbarrieren überbrückt“, sagt Helmut Krause und erzählt, dass man für die Messe sogar einen katholischen und einen evangelischen Geistlichen gewonnen und so die Gegensätze überwunden und den Wunsch nach Versöhnung bestärkt hatte.
„Und da fiel uns das erste Mal auf, dass die Orgel so schlecht klang“, sagt Erika Krause. Mit viel Eigeninitiative habe man versucht, das Projekt einer Restaurierung alleine zu stemmen, sei aber schnell an Grenzen gestoßen. Nach intensiven Recherchen wurde man schließlich auf den Verein zur Erforschung und Erhaltung schlesischer Orgeln (VEESO) aufmerksam, der auch tatsächlich schon einige Orgeln der bekannten Firma „Schlag & Söhne“ restauriert hatte, von der auch die Ketschdorfer Orgel stammt.
Nach einer fachlichen Begutachtung wurde schließlich auch die Restaurierungswürdigkeit der Jugendstil-Orgel festgestellt. Ohne Zögern gründete man daraufhin den „Freundeskreis zur Erhaltung der Ketschdorfer Orgel“, denn „die Orgel ist mehr als nur eine Orgel. Sie ist ein Kulturgut, ein Teil unserer Vergangenheit und Symbol für die entstandenen freundschaftlichen Beziehungen und eine dauerhafte Versöhnung“, betont Helmut Krause und berichtet, dass der Restaurationsauftrag in Kooperation mit dem VEESO jetzt vergeben ist und bald mit der Restauration begonnen wird.
2009 soll sie abgeschlossen sein. Zu diesem Zweck organisieren sie mit dem Freundeskreis jetzt ein Benefizkonzert (siehe Info). „Es war bloß eine Idee“, sagt Erika Krause, „und jetzt hat sich so Vieles getan.“
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