Ratingen: Bald 205 Züge täglich
VON JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 01.03.2008Düsseldorf (RPO). Lärmschutz an der Westbahn: Die SPD Mitte hatte zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Es gibt ein wenig Hoffnung auf den Lückenschluss der Schutzwand. Die Ratsmehrheit will kein Geld ausgeben.
Ums heiße Thema Lärmschutz an der Westbahn in Süd ging es im fast vollbesetzten Saal im Frankenheim. SPD-Fraktionschef Christian Wiglow und SPD-Ratsfrau Rosa-Maria Kaleja vom Ortsverein Mitte hatten Bürger und Experten zum Info-Abend eingeladen. Baudezernent Dr. Ulf-Roman Netzel ließ ein klein wenig Hoffung aufkommen, dass der fehlende Teil der Lärmschutzwand am Kleinen Rahm vielleicht doch vollendet wird: Sollte es sich herausstellen, dass die Lärmwand auf der anderen Seite (Felderhof) den Krach der Güterstrecke reflektiert, könnte ein Gutachten die Lückenschließung durch den Investor fordern.
Nicht länger klaglos hinnehmen
Neben Netzel stellte sich Heinrich Engels, Leiter Fahrplan der Bahn AG, den sehr kritischen Fragen der Betroffenen. Eines wurde klar: Die Anwohner sind nicht länger bereit, klaglos den enormen, mittlerweile rund um die Uhr anhaltenden Lärm zu ertragen. Jetzt rächt es sich, dass bis heute die Ratsmehrheit nicht bereit ist, den Lückenschluss zu finanzieren. Kurz vor dem Treffen, so Wiglow, hätten Bezirksausschuss Mitte sowie Bau-und Vergabeausschuss mit Mehrheit aus CDU, BU und FDP den Bau wieder mal abgelehnt. Rückblick: Im Jahre 2003 wurde eine 370 Meter lange und nur zwei Meter hohe Lärmwand errichtet. Wiglow erinnert sich: Die DB Netz habe eine Wand bis zur Brücke geplant, sei aber von der Eisenbahn-Bundesagentur zurückgepfiffen worden. Denn die hinter dem Reststück liegenden Häuser seien nach dem Stichtag 1. April 1974 gebaut worden. Die Wand wurde nur 370 Meter lang. 170 Meter bis zur Brücke fehlen. Schon damals, so Wiglow, habe seine Fraktion gefordert, mit städtischen Mitteln gemeinsam mit der Bahn erstens die Wand höher und zweitens bis zur Brücke zu bauen. Das habe jedoch keine Mehrheit gefunden. „Zwei Meter Höhe reichen nicht aus“, sagten unisono die Anwohner. Sie bemerken seit drei Jahren, dass die die Strecke stärker und schneller befahren wird – und das rund um die Uhr.
Heinrich Engels bestätigte das erhöhte Verkehrsaufkommen und entwarf ein düsteres Zukunftsbild. Bis 2015 soll die Auslastung der bereits jetzt schon wichtigsten Strecke Deutschlands um 50 Prozent gesteigert werden – auf etwa 205 Züge täglich. Früher sei von Samstag ab 22 Uhr bis Montagmorgen der Verkehr heruntergefahren worden, heute jedoch sorgten moderne Stellwerke für reibungslosen 24-Stunden-Betrieb. Also: „An eine erneute Einführung einer Wochenendruhe ist nicht zu denken.“
Die so genannte „Flüsterbremse“
Immerhin, so Engels, werde seit 2003 die so genannte „Flüsterbremse“ eingeführt: Die Kunststoffbeläge sorgten auch dafür, dass die Metallräder nicht mehr wie früher durch die Eisenbeläge aufgerauht und dadurch lauter würden. Doch bei insgesamt 135 000 Güterwaggons dauere das noch Jahrzehnte, bis alle umgerüstet seien. Wiglow empfahl, Protestbriefe an die zuständigen Staatssekretäre und an den Bürgermeister zu schreiben: Die SPD werde bei der Forderung nach einer selbst finanzierten Lärmwand nicht lockerlassen. Düsseldorf und Langenfeld hätten bewiesen, dass so etwas möglich sei.
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