Ratingen: Baupanne: Händler sauer
VON NORBERT KLEEBERG UND JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 06.05.2010Düsseldorf (RPO). Die Geschäftsleute auf der Bechemer Straße sind schockiert: Wegen des fehlerhaften Untergrundes droht nun eine weitere Baustelle, die den Umsatz wieder bremsen könnte. Sie fordern: Es darf keine Flickschusterei geben.
Nach etlichen Baustellen und Lärmbelästigungen war endlich Ruhe auf der Bechemer Straße eingekehrt, doch jetzt droht neuer Ärger. Die Kaufmannschaft ist jedenfalls in heller Aufregung, nachdem die RP aus dem Bezirksausschuss Mitte berichtet hatte, dass der Untergrund, sogenannter Kalksteinschotter, viel zu stark verdichtet worden war. Während des harten Winters hatte sich Wasser gesammelt, war gefroren und hatte Steine nach oben gedrückt. Laut Expertise des Gutachters Dr. Klaus Mesters muss der Untergrund nahezu komplett erneuert werden. Die verlegten Natursteine seien hingegen völlig in Ordnung, hieß es.
"Absolut unprofessionell"
Aus Sicht von Achim Egenberger (Intersport Egenberger) ist eine weitere Baustelle eine "absolut unprofessionelle Zusatzstörung". Man habe in den vergangenen Jahren sehr viele Belästigungen in Form von Lärm und Absperrungen hinnehmen müssen, so der Einzelhändler, nun drohe der Einkaufsstraße, die sich vom Niveau und Angebot her mittlerweile mit der Oberstraße messen könne, ein weiterer herber Rückschlag. Egenberger betonte stocksauer: "Die Bechemer Straße kommt einfach nicht zur Ruhe." Gleich am Morgen habe er mit mehreren Kollegen gesprochen. Es gab nur eine Reaktion: Fassungslosigkeit. Wie die Händler reagieren wollen, ist noch unklar. Sammelklage, ein Brief an die Stadtspitze – nur zwei von mehreren Möglichkeiten, die Egenberger spontan nannte.
Günter Trefz (Spielwaren Trefz) betonte, dass es auf keinen Fall Flickschusterei geben dürfe. "Man muss den Untergrund komplett erneuern, auch wenn es nur einige Abplatzungen an Steinen gegeben hat", urteilte der Einzelhändler, der früher selbst im Bereich von Straßenvermessungen tätig war. Möglichst in den Sommermonaten müsse die Sanierung über die Bühne gehen, forderte Trefz, der anfügte, dass das vergangene Weihnachts- und Ostergeschäft recht ordentlich verlaufen sei.
Baudezernent Dr. Ulf-Roman Netzel nahm gestern kein Blatt vor den Mund: "Tragisch. Das ist eine Katastrophe." Wie es zur Verdichtung im Untergrund kommen konnte, sei völlig ungeklärt. "Wir sind weder mit schwerem Gerät oder gar Dampfwalzen drübergefahren", sagte Netzel.
Ausschließen könne man nur, dass zum Beispiel Lastwagen nach der Verlegung für die Verdichtung gesorgt hätten. Auch die Körnung des Kalksteinschotters sei völlig in Ordnung. Der Schotter müsse eine gewisse "Sieblinie" aufweisen, also von jeder Korngröße einen bestimmten Anteil enthalten, damit Wasser hindurchfließen könne. Die Fußgängerzone sei jedenfalls mehrfach aufgerissen und wieder zugeschüttet worden. Die komplette Schicht bestehe aus Erdplanum (Baugrund), einem Schotterunterbau als Frostschutzschicht, der Bettung (Sand oder Split) und dem Pflaster.
Ohne Klärung der Schuldfrage werde man auch nicht an die Erneuerung gehen, sagte Netzel. Schließlich müsse man wissen, wie es zu dem Schlamassel gekommen sei, um den Fehler nicht zu wiederholen. Pflaster und Untergrund müssten jedenfalls komplett erneuert werden. Da komme keine Flickschusterei in Betracht. Der Gutachter hatte an vier Stellen Belastungstests durchgeführt und überall das gleiche, verheerende Ergebnis festgestellt.
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