Ratingen: Baustelle Rathaus
VON JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 10.02.2010Düsseldorf (RPO). Die PCB-Belastung im Rathaus war niemals gesundheitsgefährdend, wie ein altes Gutachten belegt. SPD und Linke vermissen aktuelle Termine für den Arbeitskreis Rathaus. Die neue Verwaltungsvorlage wird noch diskutiert.
Die neue Vorlage zur Zukunft des maroden Rathauses steht verwaltungsintern immer noch auf dem Prüfstand. SPD und Linke mahnten an, dass der Arbeitskreis Rathaus seit der Kommunalwahl noch nicht ein einziges Mal getagt habe. Auch Termine gebe es nicht.
Unterdessen scheint der Auslöser für die Rathausdiskussison, die PCB-Belastung, immer mehr in den Hintergrund zu rücken. Manfred Evers (Linke) wundert sich, dass sich der Personalrat in dieser Sache schon seit langem zurückhalte.
An heißen Tagen Dauerlüftung
Ursache der PCB-Belastung in der Raumluft sind Fugendichtungen, die ausdampfen, sowie Kondensatoren in alten Leuchtstofflampen. Ein Gutachter war im Jahre 1999 zu dem Ergebnis gekommen, "dass aus medizinisch-toxikologischer Sicht für die Übergangszeit bis zur Durchführung und zum Abschluss der Sanierung keine Bedenken gegen eine weitere Nutzung des Rathauses I" bestünden.
Messergebnisse
In der Raumluft im Rathaus wurden PCB-Werte zwischen 500 bis 1000 Nanogramm pro Kubikmeter Luft (ng/m3) gemessen.
In Räumen mit PSB-haltigen Dehnungsfugen 1000 bis 2000 ng/m3. An sehr warmen Sommertagen gab es im Juli 1994 "in einzelnen Räumen" mehr als 3000 ng/m3.
Es handelte sich vor allem um "leichtflüchtige, weniger toxische" PCB-Verbindungen. Sie würden schnell ausgeschieden, so der Gutachter.
Jene Mitarbeiter, die in den stärker belasteten Räumen arbeiten, sollten auf regelmäßige Lüftung achten, an heißen Tagen am besten Dauerlüftung. Außerdem sollten häufiger glatte Flächen feucht gewischt werden.
Gemessen wurden bis zu 3400 Nanogramm (ng/qm3) pro Kubikmeter Luft: Aber "selbst Konzentrationen zwischen 3000 und 10 000 ng/qm3 stellen noch kein gesundheitliches Risiko dar." Zumindest, wenn man sich nicht 24 Stunden in solchen Räumen aufhält, so der Gutachter. Außerdem werde PCB vor allem über die Nahrung und kaum über die Luft aufgenommen.
Trotzdem schlug Bürgermeister Harald Birkenkamp (BU) 2005 in einem internen Schreiben an die Mitarbeiter Alarm: Die Gesundheit der Mitarbeiter und sogar der Besucher sei "seit Jahren in höchstem Maße gefährdet". Ein Neubau müsse her, weil niemand den Erfolg einer PCB-Sanierung garantieren könne. Das war wenige Tage vor der Ratsentscheidung über den Neubau oder die Sanierung.
Drängender als die offenbar zu vernachlässigende PCB-Belastung ist aber der Zustand des Gebäudes: Schwere Versäumnisse habe sich die Stadt bei der Instandhaltung des erst 30 Jahre alten Rathauses zuschulden kommen lassen, stellte der Architekt Dr. Peter Ropertz (Esprit, Sanierung Mannesmann-Hochhaus) im Jahr 2003 fest. Er hatte im Auftrag der Stadt das Gemäuer untersucht.
Schäden im Boden
Ropertz hatte über Jahrzehnte ganz unterbliebene oder schlampig ausgeführte Wartungsarbeiten kritisiert. Inzwischen zeigen sich im Beton Durchfeuchtungsschäden, es sind Stahleinlagen durchgerostet, Stücke platzen von den Wänden, es tropft aus Abwasserleitungen, Regenrinnen sind zugewachsen. Die Tiefgarage gleicht einer Tropfsteinhöhle. Handwerker scheinen über drei Jahrzehnte nur Pfuscharbeit geleistet zu haben, so Ropertz damals. "Ich kann auch ein Auto nicht 30 Jahre lang fahren, ohne es in die Inspektion zu bringen", kritisierte der Architekt die mangelnde Pflege.
Ropertz empfahl eine Komplettsanierung für etwa elf Millionen Euro. Für anderthalb Jahre müssten die Mitarbeiter anderswo untergebracht werden. Dies würde zwar Mietkosten von 1,3 Millionen Euro erfordern, sei aber praktikabler als ein Umbau "Zug um Zug" mit Weiternutzung eines Großteils des Gebäudes. Das war 2003. Seitdem ist vor allem der Brandschutz verbessert worden.
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