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Heiligenhaus: „Das hier ist kein Schnupperknast“

zuletzt aktualisiert: 13.12.2008

Düsseldorf (RPO). Tisch, Stuhl, TV, Neonlicht, Metallbett, Regal, Waschecke, vergittertes Fenster, Guckloch-Spion an der Tür. Tristesse pur auf acht Quadratmetern. So sieht eine gewöhnliche Jugendarrest-Zelle aus. Zu sehen und zu betreten ist der wirklichkeitsgetreue Nachbau derzeit im „Club“ an der Hülsbecker Straße. Die Zelle ist zentraler Bestandteil einer Wanderausstellung zum Thema Jugendkriminalität mit dem Titel „Menschen statt Mauern“.

Ausstellungsmacher Klaus Jünschke vom Verein „Kölner Appell“ erklärte zum Start der Ausstellung, was es mit der Zelle und dem zugehörigen Dutzend Schautafeln auf sich habe. Schnell wird ein drohendes Missverständnis ausgeräumt: „Die Zelle ist nicht dazu da, jungen Menschen Schrecken zu demonstrieren und sie dazu anzuhalten, die unschöne Erfahrung zu vermeiden. Das hier ist kein Schnupperknast zur Abschreckung.“

Vielmehr geht es ihm darum, mit Jugendlichen ins Gespräch über den Themenkreis Kriminalität zu kommen. Das gleiche Ziel verfolgen in Heiligenhaus Sozial-Fachbereichsleiterin Beate Schiffer und Jugendgerichtshelfern Guiseppina Cagna. Schiffer hatte die Ausstellung im Rahmen eines Amtsleitertreffens gesehen. Cagna will bis Ende Januar unter anderem Schulklassen die Ausstellung zeigen – auch im Rahmen von Anti-Aggressions-Trainings. Gedacht ist auch daran, eine Expertenrunde von Richtern einzuladen. Die Ausstellung ist bis Ende Januar im Club aufgebaut. Jünschke verfolgt auch weiter gesteckte Ziele: „Wir wollen die Zahl derer vergrößern, die gegen die Unterbringung in solchen Zellen sind.“ Eine Alternative aus seiner Sicht: eine ausgeweitete Form des Täter-Opfer-Ausgleichs, in den auch Familien und soziales Umfeld einbezogen werden könnten. Derzeit gebe es in NRW fünf Jugendgefängnisse mit 1700 Plätzen.

Jünschke lieferte Statistik dazu: Die Hälfte der Insassen sei 18 bis 20 Jahre alt, 170 Inhaftierte seien unter 18 Jahre alt, 40 Prozent 21 bis 24 Jahre alt. darin sieht der Vertreter des „Kölner Appells gegen Rassismus“ eher einen „Jung-Erwachsenen-Vollzug“.

Kontakt zu Guiseppina Cagna wegen Terminabsprachen unter Tel. 13276.

Quelle: RP

 
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