Ratingen: Blechbläser sind Tonmaler
VON GUDRUN ANSCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010Düsseldorf (RPO). In der Herz-Jesu-Kirche wurde die beliebte Märchenoper "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck aufgeführt. Das neue Ensemble unter Frank Düppenbecker begeisterte mit romantischer Musik. Groß und Klein lauschten ganz gebannt.
Mäuschenstill war es in der Herz-Jesu-Kirche während der Darbietung des CVJM-Bläserensembles der beliebten Märchenoper "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck. Das erst im Frühjahr 2009 gegründete Ensemble unter Leitung des bekannten Trompeters Frank Düppenbecker erfreute mit der weltbekannten, romantischen Opernmusik.
Die vertrauten Lieder und Melodien, für Blechbläser bearbeitet, bezauberten durch ihre schlichte Schönheit, doch auch die Dramatik der Handlung wurde gekonnt vom Ensemble umgesetzt. Gesungen wurde bei dieser Aufführung nicht, doch lauschten die zahlreich anwesenden Kinder und Erwachsenen gespannt dem von Adelheid Wette, der Schwester des Komponisten, in Verse gesetzten Märchen.
Die Kinder des Besenbinders
Guntram Höft in der Rolle des Erzählers verstand es meisterhaft, die Dramatik der Geschichte in Worten und Gesten auszudrücken, teils im Wechsel mit der Musik untermalt: Die hungrigen Kinder des Besenbinders warten auf die Heimkehr der Eltern. Sie sollen fleißig Besen binden zum Verkauf. Die Zeit wird ihnen lang, und sie fangen an zu singen und zu tanzen.
Hunger und knurrender Magen, aber auch das ausgelassene Spiel der Kinder, mit dem sie den Hunger zu vergessen suchen, fanden in der Musik ihre Entsprechung. Ebenso Zorn und Verzweiflung der heim- kehrenden Mutter über die ungebärdigen Kinder und den eigenen erfolglosen Versuch, Besen in der Stadt zu verkaufen und Lebensmittel heimzubringen, wurden vom Blasensemble tonmalerisch gut umgesetzt. Eigentlich wollte Adelheid Wette nur ein Märchenspiel für das Weihnachtsfest gestalten, wie es Ende des 19. Jahrhunderts in den bürgerlichen Familien gerne geübt wurde.
Sie bat ihren Bruder Engelbert Humperdinck um Vertonung einiger Lieder, zum Beispiel "Ein Männlein steht im Walde". Und sie erfand das Sandmännchen dazu. Diese Szene veranschaulichte Guntram Höft mit sanfter Stimme zu behutsamer Musik im Hintergrund. Zuvor gelang es dem Schlagzeug und den unheimlichen Klängen der Blechbläser, Furcht und Schrecken der Kinder im dunklen Wald deutlich zu machen.
Vertrauen und sanfte Ruhe stellten sich nach dem "Abendsegen" ein, der zu den stimmungsvollsten Szenen der Oper gehört: "Abends will ich schlafen gehn, 14 Engel um mich stehn..."
Diese Szene, vom Ensemble besonders schön gespielt, wurde am Schluss auch als Zugabe vom Publikum noch einmal freudig aufgenommen. Das süße Knusperhäuschen und der furiose Hexenritt sowie das Locken und Verführen der Kinder spiegelten sich in ihrer Unterschiedlichkeit in der Musik wider und fesselten die Kleinen und Großen. Das gute Ende mit dem Tanz der Lebkuchenkinder und dem Wiedersehen mit den glücklichen Eltern mündete in diesem Lied: "Wenn die Not am höchsten steigt, Gott der Herr die Hand uns reicht!" Begeisterter Beifall.
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