Ratingen: Bündnis will Blauen See retten
VON NORBERT KLEEBERG - zuletzt aktualisiert: 21.09.2011Ratingen (RP). Das einzigartige Naherholungsgebiet soll behutsam entwickelt werden. CDU und FDP wollen die Pläne vorantreiben und das Gespräch mit Regierungspräsidentin Anne Lütkes (Grüne) suchen.
Ortstermin Blauer See: Ewald Vielhaus, der Fraktionsvorsitzende der CDU, hatte zum großen Rundgang gebeten und die Kollegen von CDU und FDP aus Rat und Regionalrat mit ins Boot geholt. Botschaft: Aus diesem einzigartigen Naherholungsgebiet lässt sich mit langem Atem und viel Durchsetzungsvermögen etwas zaubern.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen allerdings passgenau sein, sonst wird der Blaue See mit seinen heruntergekommenen Gebäuden und sanitären Anlagen irgendwann ganz in der Versenkung verschwinden, so die Befürchtung. Die RP fasst die wichtigsten Fakten zusammen.
Warum gab es diesen Rundgang?
Vertreter der Politik, der Stadt, des Kreises und der Gräflich von Spee'schen Zentralverwaltung sollten sich einen Eindruck verschaffen: Ob Naturbühne, Freizeitpark oder Märchenzoo – die Anlagen sind merklich in die Jahre gekommen, entsprechen längst nicht mehr einem zeitgemäßen Standard. Dirk Haase, Amtsleiter für Wirtschaftsförderung und Planung im Kreis Mettmann, erläuterte, dass es an der Naturbühne zum Beispiel keine Kanalisation, sondern nur eine Sickergrube gebe.
Die Tribüne gegenüber der Naturbühne liefert ein schauerliches Bild: alte Bänke, abgeplatzte Farben, frei zugängliche Elektroleitungen. Ralph Reiniger (Theater Concept), der Jahr für Jahr die sehr gut besuchten Aufführungen für die ganze Familie anbietet, betonte: Man versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Fazit: Auf diesem Areal müsste man vieles ganz neu gestalten.
Worin liegt das Hauptproblem?
Die rechtlichen Rahmenbedingungen bilden ein sehr komplexes Werk, das in die Zuständigkeit des Kreises, zahlreicher politischer Gremien , der Bezirksregierung und des Ministeriums fällt. Im Kern geht es darum, den Regionalplan so zu verändern, dass bauliche Maßnahmen in vertretbaren Ausnahmen zulässig sind. Ob dies gelingt, ist zurzeit überhaupt noch nicht klar. FDP und CDU verfügen im Regionalrat über eine Mehrheit.
Der Regionalplan soll im kommenden Jahr geändert werden. Bisher, so betonte CDU-Fraktionschef Vielhaus, stehe die Bezirksregierung einer Entwicklung des Naherholungsgebietes sehr verhalten gegenüber. Deshalb wolle man auch das Gespräch mit Regierungspräsidentin Anne Lütkes suchen.
Haase erläuterte: "Der Regionalplan ist der Rahmenplan des Landschaftsplanes. Wir befinden uns hier am Blauen See in einem hochsensiblen Bereich. Der Landschaftsplan unterliegt dem Kreistag." Fazit: Es besteht ein sehr hoher Abstimmungs- und Genehmigungsbedarf, der viel Zeit in Anspruch nehmen wird.
Was sagt der Eigentümer?
Andreas Klünter von der Gräflich von Spee'schen Zentralverwaltung formulierte klare Botschaften Richtung Düsseldorf: "Die Bezirksregierung muss endlich erklären, wie es mit dem Blauen See weitergehen soll. Wir erwarten eindeutige Signale." Man habe bereits in ein Planungskonzept investiert, sei auch schon mit Investoren ins Gespräch gekommen. "Letztlich scheiterte das Ganze aber an den unsicheren rechtlichen Rahmenbedingungen", betonte Klünter.
Die Pachtverträge mit den Betreibern am Blauen See werden immer nur um ein Jahr verlängert. Sollte die Bezirksregierung auf absoluten Naturschutz pochen und den Betrieb am Blauen See verhindern, so könnten auf die Gräflich von Spee'sche Zentralverwaltung Schadensersatzforderungen seitens der Pächter zukommen – dies im Fall langfristiger Verträge. "Dies wollen wir vermeiden", sagte Klünter.
Wie sieht das Konzept aus?
Laut CDU-Fraktion soll unter anderem eine moderne Naturbühne für Theater-, Musical- und Konzertveranstaltungen entstehen. Ein zentraler Bestandteil ist der Bau eines zwei- bis dreistöckigen Hotels mit Gastronomie, die das heutige Restaurant ersetzt. Bootsverleih und Märchenzoo will man unbedingt erhalten.
Vielhaus betonte: "Wir halten es für unverzichtbar, dass sich die Stadt Ratingen aktiv zur notwendigen Erneuerung des Geländes rund um den Blauen See bekennt und eigene Aktivitäten entfaltet." Haase wiederum betonte, dass der Blaue See ein touristisches Pfund sei, mit dem der Kreis wuchern könne. Er nannte dabei die Marketinginitiative "Neanderland".
Wie hoch sind die Kosten?
Da überhaupt noch nicht klar ist, in welcher Form mögliche Maßnahmen am Blauen See greifen können, schwanken die Zahlen. Allein bei einem Hotelbau geht man von einer Summe zwischen fünf und zehn Millionen Euro aus. Auch der Umbau der Naturbühne (inklusive Kanalisation) dürfte mehrere Millionen Euro verschlingen.
Haase wollte sich zu Summen gar nicht äußern. Und einen Hauch von Euphorie wollte er erst gar nicht aufkommen lassen, man müsse sich ja nur den Kreishaushalt anschauen.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum