Breitscheid: Bürger testen neue Technik
VON NORBERT KLEEBERG - zuletzt aktualisiert: 09.02.2011Düsseldorf (RPO). Die Stadtwerke betreten Neuland. Bei einer Informationsveranstaltung im Roten Turm stellten Geschäftsführer Friedrich Schnadt und sein Team neue Projekte für rund 500 Haushalte in Breitscheid Nord vor.
Der Aufsichtsrat hat in der vergangenen Woche grünes Licht gegeben. Nun drücken die Stadtwerke aufs Tempo. Auf Breitscheid Nord und rund 500 Haushalte kommen neue Projekte zu. Die RP fasst die wichtigsten Aspekte der Informationsveranstaltung im Roten Turm zusammen.
Worum geht es genau?
Im Frühjahr rüsten die Stadtwerke das gesamte Pilotgebiet in Breitscheid Nord mit "intelligenten Stromzählern" (Smart Meter) aus. Dabei wird je Haushalt der Stromverbrauch alle 15 Minuten gemessen. Die Daten werden automatisch an die Stadtwerke übertragen. Die Bürger können an dem Projekt teilnehmen – müssen es aber nicht. Auch Breitscheider, die bisher nicht Kunden der Stadtwerke waren, können sich beteiligen. Im Hintergrund arbeitet ein intelligentes Stromnetz (Smart Grid), das die Prozesse steuert und überwacht.
Wer kann an dem Projekt teilnehmen?
Teilnehmer können Eigentümer und Mieter sein. Breitscheid Nord besteht vor allem aus Ein- und Zweifamilienhäusern.
Und die Kosten?
Es entstehen laut Stadtwerke keinerlei Installationskosten. Außerdem ist die sogenannte Powerline-Nutzung für die rund einjährige Dauer des Pilotprojektes gratis.
Was bringt Breitband-Powerline?
Internet-Datenpakete werden über das Stromnetz transportiert. Mit Hilfe dieser Technologie werden Messdaten verschlüsselt an die Stadtwerke gegeben. Dabei werden Datenübertragungsraten von bis zu einem Megabit pro Sekunde erreicht – eine Verbesserung im Vergleich zu den alten und langsamen Internet-Anschlüssen in Breitscheid Nord. Die Verbraucher können ihren Stromverbrauch daheim in Echtzeit abrufen. Sie benötigen dafür ein Endgerät, das ihnen die Stadtwerke während der Pilotphase gratis zur Verfügung stellen. Stadtwerke-Geschäftsführer Friedrich Schnadt betonte: "Dieses Endgerät wird nur geliehen. Es gibt keine Kündigungsfristen."
Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?
Die Daten werden von den Stadtwerken nach eigenen Angaben vertraulich behandelt (Bundesdatenschutzgesetz) und nicht an Dritte weitergegeben.
Was ist noch geplant?
Neben dem Ausbau der Erdgasversorgung setzen die Stadtwerke auf ein neues Glasfasernetz, das einen schnellen und vor allem zukunftsfähigen Internetzugang gewährleisten soll. Mitte des Jahres wird der Energieversorger im Bereich des Wohngebiets Breitscheid Nord mit der flächendeckenden Verlegung von Erdgasleitungen beginnen. Über die Konditionen und Fördermöglichkeiten werden alle betroffenen Haushalte separat informiert. Ende des Jahres soll das Glasfasernetz stehen, kündigte Schnadt an. Ein Glasfaserkabel hat in der Regel einen Durchmesser von weniger als einem Millimeter. In verschiedenen Ausbaustufen sind Übertragungsraten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde möglich. Der Anschluss ans Glasfasernetz, das Multimedia-Anwendungen ermöglicht, ist ebenfalls kostenlos. Schnadt räumte ein: "Es wird in Breitscheid Nord demnächst viel gebuddelt."
Was haben die Kunden von den Projekten?
Wer will, der kann seinen Energieverbrauch mit Hilfe der neuen Technik gezielt senken. Das Internet in Breitscheid Nord wird endlich schneller und leistungsstärker, der Service für die Kunden soll insgesamt in ein neues Zeitalter eintreten. Nebeneffekt für die Stadtwerke: verstärkte Kundenbindung.
Könnten diese Projekte auch in anderen Stadtteilen greifen?
Schnadt schließt das nicht aus. "Wir betreten Neuland", erklärte er, "wir müssen erst einmal die Ergebnisse der Pilotphase abwarten." Möglicherweise entstehen neue, speziell geschnürte Leistungspakete für die Verbraucher. Fest steht: Breitscheid Nord ist ein Testfall für Ratingen. Die Stadtwerke investieren in Breitscheid rund 700 000 Euro. KOMMENTAR
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