Ratingen: Bütz-Verbot für Narren?
VON NORBERT KLEEBERG - zuletzt aktualisiert: 10.11.2009 - 18:00Düsseldorf (RPO). Am Mittwoch geht's richtig los: Hoppeditz-Erwachen in der Dumeklemmerhalle. Die Homberger Feetz sagen: Bei Ordensverleihungen sollte man wegen der Schweinegrippe aufs Bützen verzichten. Der Impfstoff wird knapp.
Die KG Homberger Feetz ist schon mächtig in Stimmung. Am vergangenen Samstag erwachte der Hoppeditz voller Elan im Stadtteil – vor 200 geladenen Gästen. Heute steigt die große Veranstaltung in der Dumeklemmerhalle (Einlass 18 Uhr).
Klaus Witzel, der Präsident der Feetz, betonte gestern: "Die Schweinegrippe ist im Karneval natürlich ein Thema. Es kommt zu großen Menschenansammlungen. Deshalb haben wir bei unserer Hoppeditz-Veranstaltung empfohlen, bei den Ordensverleihungen aufs Bützen zu verzichten."
"Wir nennen das Luft-Bützen"
Von einem regelrechten Bütz-Verbot will Witzel aber nicht sprechen. Die Narren hätten den Vorschlag denn auch sehr humorvoll aufgenommen, nämlich mit einem zugeworfenen Kuss. Witzel betonte: "Wir nennen das Luft-Bützen." Der KG-Präsident hat sich bisher nicht impfen lassen und setzt auf die eigene Robustheit.
Mirco Köstring, Präsident des Karnevalsausschusses (KA) und Moderator des heutigen Abends, hält ein kategorisches Bütz-Verbot für nicht durchsetzbar: "Das kann man auch nicht so einfach aussprechen."
Köstring hat sich gegen das H1N1-Virus impfen lassen, "ich bin ja berufsbedingt viel unter Menschen, da wollte ich auf Nummer sicher gehen". Besondere Hinweise zur Schweinegrippe werde er heute Abend aber nicht geben.
Insgesamt gehe der Karnevalsausschuss das Thema recht locker an, so Köstring: "Wir haben auch keinen Notfall-Plan in der Tasche." KA-Sprecher Peter Hense ergänzte: "Bisher ist noch keine Veranstaltung abgesagt worden. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, die Prinzenkürung findet am 9. Januar 2010 definitiv statt."
Wer sich jetzt gegen die Schweinegrippe impfen lassen möchte, muss damit rechnen, erst im Dezember, Januar und Februar an die Reihe zu kommen. "Für den Kreis Mettmann sind 305 000 Impfdosen bestellt worden, 24 500 sind bislang angekommen", sagte Dr. Rudolf Lange, Leiter des Kreisgesundheitsamts.
Der Impfstoff werde zentral für ganz Deutschland in Dresden hergestellt. Erst seit drei Wochen laufe die Produktion auf vollen Touren. Der Impfstoff für die herkömmliche Grippe wird immer schon im Juni/Juli hergestellt. Folge: Erst im Februar sind endgültig alle bestellten Impfdosen im Kreis Mettmann angekommen. Für diese Woche ist der zugeteilte Impfstoff bereits vollständig verplant.
"Deshalb können die Ärzte auch nur Termine vergeben, wenn sie wieder Impfstoff haben", sagte Lange. Die niedergelassenen Ärzte könnten also nichts dafür, wenn auf telefonische Nachfrage nun Impftermine im Dezember genannt werden. Zur Zeit impfen im Kreis 215 Ärzte in 180 Praxen gegen die neue Influenza. 80 Praxen davon sind öffentlich bekannt gegeben worden, der Rest kümmert sich um seine eigenen Patienten.
Hinter den Quoten zurück
Bisher bleibe die Zulieferung von Impfstoff erheblich hinter den erwarteten Quoten zurück, die bisher ausgelieferte Menge decke lediglich knapp fünf Prozent der Bevölkerung des Kreises ab, meinte Lange. Insgesamt habe das Land ein Kontingent geordert, das für etwa 60 Prozent der Bevölkerung reichen würde, hieß es. Grundsätzlich wird ab jetzt kein Patient mehr, der mit Symptomen wie starke Kopfschmerzen, hohes Fieber und Gliederschmerzen in eine Arztpraxis komme, auf die Schweinegrippe getestet.
Mittlerweile könne man davon ausgehen, dass bei diesen Symptomen das Virus eine Rolle spiele. An der Therapie ändere die Diagnose Schweinegrippe überhaupt nichts. "In der Regel erhalten Patienten etwas Symptomlinderndes gegen Fieber und Kopfschmerzen", meinte Lange.
Ansonsten seien wie bei einer 08/15-Erkältung auch Bettruhe und heißer Tee wirksam und gut. Der Kreis Mettmann gibt keine genauen Zahlen mehr über an Schweinegrippe Erkrankte heraus, weil man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen müsse, hieß es.
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