Ratingen: Bundesweit einzigartig
VON DANIELA VON DELLINGSHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 06.12.2007Düsseldorf (RPO). Im Klinikum Niederberg gibt es eine Ambulanz für Kinder mit Down-Syndrom.
Nur hier werden auch Jugendliche betreut.NIEDERBERG Auf den ersten Blick wirkt alles wie in einer herkömmlichen Kinder-Spielgruppe: Turnmatratzen auf dem Boden, Plastikspielzeug überall verteilt, bunte Bälle kullern von der einen Ecke zur anderen. Auf den zweiten Blick jedoch, bei dem in die Gesichter der fröhlichen Knirpse, erkennt man, dass etwas anders ist: Sie leiden allesamt am Downsyndrom, im Volksmund auch Mongolismus genannt.
Seit September aktiv
Seit September 2007 gibt es nun am Klinikum Niederberg eine so genannte Down-Ambulanz für Kinder und Jugendliche, die nicht zuletzt aufgrund dieser Altersbandbreite bundesweit einen Sonderstatus genießt. „Eine weitere Ambulanz gibt es zwar noch in Nürnberg. Dort werden aber nur Kinder bis fünf Jahre untersucht“, so Stefan Mülders, Pressesprecher am Klinikum. Initiiert wurde diese Plattform für betroffene Eltern im Jahre 2005 von Verena Müller, Betroffene und Klinikangestellte in Personalunion. Ihr neunjähriger Sohn Benjamin ist ein Down-Kind. Die 39-jährige, die zusätzlich noch eine fünfjährige Tochter hat und demnächst ihr drittes Kind erwartet, erinnert sich: „Die Fachzeitschrift „Leben mit Down-Syndrom“ hatte damals zur Gründung von solchen Ambulanzen in Deutschland aufgerufen.“ Zu diesem Zeitpunkt habe in Deutschland keine einzige existiert, in den Niederlanden immerhin zwölf.
Beim Chef der Kinderklinik, Dr. Erdmuth Schubert, fanden die Worte der engagierten Frau Gehör, ein Besuch in Den Haag folgte. Nach dieser Initialzündung brauchte es zwar noch einige Zeit für die Umsetzung, im Sommer war es nun so weit. Jeden ersten Mittwoch im Monat, für drei bis vier Stunden, kümmert sich ein Team aus einem Kinderarzt und mehreren Sprach- und Bewegungstherapeuten und Elternberatern um die kleinen Patienten. Die 14-jährige Angelina ist die älteste im Bunde. Als Baby wurde sie adoptiert, ihre Mutter Astried Freihöfer hat neben ihren drei leiblichen noch ein weiteres Adoptivkind. Enttäuscht von der fehlenden Unterstützung ihres zuständigen Jugendamtes nimmt sie gerne die zweistündige Fahrt aus Simmerath in Kauf. „Angelina leidet unter Asthma und Neurodermitis, ist aber sehr fit in Schreiben und Lesen“, so Freihöfer. Im Internet erfuhr sie von der Velberter Ambulanz.
Zwei Stunden Anfahrt
Die jüngste Patientin ist derzeit die fünf Wochen alte Johanna. Während sie sich von nichts aus ihrem Schlaf reißen lässt, erzählt ihre Mutter Britta Gitler: „Ich habe erst einen Tag nach der Geburt erfahren, dass Johanna das Down-Syndrom hat.“ Die übliche Nackenfalten-Messung habe während der Schwangerschaft nichts Unauffälliges ergeben, eine Fruchtwasseruntersuchung habe sie daher nicht für nötig erachtet.
Ein Phänomen, welches wohl häufiger vorkommt, als man gemeinhin denkt. Alexandra Fröhlich, eine der Sprachtherapeutinnen vor Ort, bilanziert: „Diejenigen, die bisher zu uns gekommen sind, hatten allesamt ein unauffälliges Ultraschallergebnis.“
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