Homberg: Das Künstlerhaus
VON MELANIE MEYER - zuletzt aktualisiert: 20.04.2007Düsseldorf (RPO). Vier Ateliers haben sich in der ehemaligen Grundschule am Ende der Mozartstraße angesiedelt. Hier arbeiten vier Ratinger Künstler. Pauline Kugler und Yildirim Denizli gewährten Einblicke in ihr Künstlerdomizil in Homberg.
Da wo einst Kinder das Schreiben und Rechnen lernten und Stimmengewirr die Gänge erfüllte, läutet schon lange kein Gong mehr die Pause ein. Ein neugieriger Blick durch die Fenster der ehemaligen Grundschule am Ende der Mozartstraße zeigt ein unerwartetes Bild. Aus Schuhspannern gefertigte rosa Pelikane stehen auf den Fensterbänken, und einen Trakt weiter schaut man in menschliche Antlitze aus Holz, die an die Skulpturenwelt eines Pablo Picassos oder an die primitiven Figuren eines Henri Matisse mit Köpfen eines Karl Schmidt-Rottluff erinnern. Das Homberger Künstlerhaus beherbergt die vier Ateliers der Künstler Pauline Kugler, Hedi El Abed, Yildirim Denizli und einem Fotokünstler, der noch unerkannt bleiben möchte.
Bereits vor sieben Jahren bezog der Künstler Denizli das Gebäude, der den linken Teil mit seinen Werken förmlich belebt. Das ehemalige Treppenhaus wirkt wie eine lichtdurchflutete Galerie, in der unzählige Skulpturen Platz gefunden haben. Unter anderem stehen hier Holzskulpturen, nach dem Prinzip „taille directe“ und der Adaption und Imitation einer außereuropäischen Stammeskunst, die an die Skulpturenwelt der Expressionisten des 20. Jahrhunderts erinnert. Daneben entdeckt der Besucher Schweißarbeiten.
Der aus der Türkei stammende Künstler spielt in all seinen Werken mit politischen und gesellschaftlichen Inhalten. Besonders bewusst wird dies in den Installationen, die sich im oberen Stockwerk dem Besucher offenbaren. Die Vielfalt seines künstlerischen Schaffens ist kaum fassbar . Seine bildgewordenen Metaphern zeigen gesellschaftliche Phänomene, aber auch die Verarbeitung ganz persönlicher Erfahrungen.
Vor drei Jahren bezog Kugler ihr Atelier in der unteren Etage rechts im Gebäude der alten Schule. Der Blick in ihr Atelier verrät das umfangreiches künstlerischer Potential einer kritischen Künstlerin. Neben Assemblage und Collage erarbeitet sie Aquarelle, Siebdruck oder Werke in Öl.
Ordnung im Durcheinander
„Die Initialzündung zu einem Gemälde ist häufig eine Belanglosigkeit, eine Impression, eine Stimmung oder ein Gefühl“, erklärt Kugler während sie in einem Ordner mit unzähligen Artikeln über ihren Kunstaktionen in Ratingen und der Umgebung blättert. Sie verarbeitet die unterschiedlichsten Materialien und Objekte: Sie gibt Verhüterlis, Bonbonpapier, oder alten Schuhen eine neue Funktion, und unterwirft sie einem ordnenden System, das scheinbare Ruhe und Klarheit vermittelt. Sie brachte auch den Künstler El Abed mit nach Homberg, der durch Kunstaktionen wie die Kunstkarawane bekannt wurde. Zusammen hatten sie auf dem Calor Emag Gelände ein Atelier, das aufgelöst wurde. Nach einigem Suchen und Nachfragen bei der Stadt fanden sie in Homberg ihr neues Atelier.
Neben Kuglers Atelier liegt die Gemeinschaftsküche, der Ort, an dem die vier Künstler zusammen kommen, sich austauschen und Pläne schmieden. Man hilft sich und inspiriert sich an der Diskussion. Wie Denizli es definiert: „Wir sind ein homogener Kunstpunkt“.
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