Ratingen: Das zweite Leben
VON JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 22.12.2007Düsseldorf (RPO). Gabi Panicke erlitt im Februar im Allwetterbad einen Herzstillstand. Dank der professionellen Hilfe der Schwimmmeister wurde sie gerettet. Ein Defibrillator brachte das Herz wieder in Gang.
Für Gabi Panicke begann dieser Karnevalssamstag im Februar wie jeder andere Tag – doch es wäre beinahe ihr letzter geworden. Beim Aquajogging im Lintorfer Allwetterbad erlitt sie einen Infarkt mit Herzstillstand. Nur durch die professionelle Hilfe der Schwimmmeister wurde die jetzt 52-Jährige gerettet. Sie schenkten ihr das zweite Leben. Seit acht Jahren ist die Tiefenbroicherin Stammgast in den Lintorfer Bädern. Der Samstagmorgen gehörte immer dem Aquajogging, dreimal in der Woche ging es ins Fitness-Studio, sonntags wurden die Inline-Skater untergeschnallt. Panicke arbeitet als Angestellte bei der Barmer Ersatzkasse in Düsseldorf. Die sportliche Frau fühlte sich immer gesund: keine Probleme, auch keine Vorbelastungen in der Familie, das Herz war erst recht nie ein Thema.
An jenen Samstagmorgen kann sie sich nur lückenhaft erinnern: „Ich bin ganz normal aufgestanden und dann nach Lintorf gefahren.“ Um 8.30 Uhr begann das Wasserjogging. Kursleiter Christian Weber war mal wieder mit 15 Damen allein. „Ich habe den Schwimmgürtel angelegt und bin ins Wasser gegangen.“ Nach einer Runde sei ihr plötzlich übel geworden. „Ich wollte zum Beckenrand schwimmen, um mich dort festzuhalten.“ An das, was dann folgte, kann sich nicht mehr erinnern: „Da war einfach nichts.“
Der leblose Körper wurde gemeinsam aus dem Wasser gezogen. Am Beckenrand begann Weber sofort mit der Reanimation – Herzmassage und Beatmung: Er konnte weder Puls noch Atmung feststellen. Sein Kollege Franko Remoli raste los, um den Koffer mit dem Notfall-Defi zu holen. Was beide bisher nur geübt hatten, war plötzlich zum Ernstfall geworden.
Elektroschock ausgelöst
Schnell war das Gerät ausgepackt und die beiden Elektroden am Oberkörper von Gabi Panicke befestigt. Auch die Elektronik konnte keine Lebenszeichen mehr feststellen und löste einen Elektroschock aus. Ein zweites Mal noch musste das Gerät aktiviert werden, dann schlug Panickes Herz wieder, noch bevor der Notarzt eintraf. Auf der Intensivstation des Klinikums Niederberg wachte Panicke am späten Nachmittag wieder auf.
Nach einer Woche wurde sie entlassen, es folgte die Reha. Doch der Schreck saß tief: „Vor dem Schlafengehen fragte ich mich jedes Mal, ob ich wieder aufwachen würde.“ Eine psychotherapeutische Behandlung wurde nötig, „um das wieder aus dem Kopf zu bekommen“. Seit ein paar Wochen arbeitet sie wieder. Sie hat im neuen Leben „zwei Gänge runter geschaltet“: Doch das falle nicht immer leicht. „Ich muss mich immer selbst daran erinnern. Ich will schließlich noch ein paar Jahre leben.“ Sport treibt sie zurzeit nur in der Herzsportgruppe des TV: Da ist immer ein Arzt dabei. Im kommenden Jahr wird sie wohl wieder zum Schwimmen gehen. „Aber nur, wenn ich weiß, dass meine Lebensretter auch Dienst haben“, scherzt sie.
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