Ratingen: Der Alltag als Kunstform
VON LEONORE ESSER - zuletzt aktualisiert: 14.08.2007Düsseldorf (RPO). Vier Autoren des Literaturkreises Era lasen im Klosterhof aus ihren Werken. „Alt trifft Jung“ hieß diesmal das Motto. Dem gewannen die Vortragenden spaßige wie tiefernste Gedanken ab.
Menschen verschiedener Altersgruppen haben eigene Lebensinhalte und Meinungen. Doch unter strahlend blauem Himmel einte die Autoren des Literaturkreises ERA eines: ihre Liebe zum Schreiben. Vier Mitglieder des Vereins zeigten bei der Literatur-Matinee im Klosterhof am Rathaus, wie sie Beobachtungen aus dem Alltag in Essays und Gedichten erarbeiten. Musikalische Würze bekam die Veranstaltung vom Bläserquartett Homberg.
Den Auftakt gab Autor Werner Beutling. Voller Temperament schimpfte der Senior auf Handys: „Ein moderner Mensch braucht das – ich bin keiner!“ Nach jahrelangem Berufsleben habe er nun die Nase voll davon, ständig für jedermann erreichbar zu sein. Das Publikum dankte es ihm: „Er spricht mir aus der Seele“, seufzte man dort unüberhörbar. Entlockte Beutling seiner Zuhörerschaft noch so manchen Lacher, so hatte sich seine Nachfolgerin Marina Jenkner ein ernstes Thema ausgesucht. Die Wuppertalerin arbeitet nach ihrem Studium unter anderem als Texterin arbeitet und hat kürzlich das Buch „Nimmersatt und Hungermatt“ herausgebracht. Darin beschäftigt sie sich mit Essstörungen, für sie nicht nur ein Problem der jungen Generation. Mit ihren Texten macht sie auf die Ängste und Leiden der Betroffenen aufmerksam. Besonders die Erzählung eines Menschen, der sich über Tage hinweg weigert, zu essen, stimmt nachdenklich.
Literatur-Kreis
Der Literaturkreis Era verfolgt das Ziel, Literatur zu fördern und zu verstehen.
Regelmäßig werden Lesungen und Autorentreffen organisiert. Der Verein gibt jährlich eine Anthologie heraus, in der sich Werke der Mitglieder finden, unter anderem von Helga Engelhard.
Die nächste Veranstaltung ist für den 19. August geplant: Um 16 Uhr wird Autorin Dr. Ursula Willan in der Kulturkneipe im Lux an der Turmstraße 5 von Lautstärke sprechen.
Fast ein bisschen Erleichterung war zu spüren, als sich Helga Engelhard ans Mikrophon setzte und dem Publikum mit den hoffnungsvollen Worten ihrer Sommergedichte den Sonnenschein zurückgab. Die ehemalige Realschullehrerin und Rektorin, die heute in Hösel lebt, hatte besonders für die betagten Gäste einen Rat: „Man ist immer so alt, wie man sich fühlt – und so alt, wie man sich selbst macht.“ Voller Bewunderung erzählte sie von Bekannten, die auch nach dem Beruf geistig und körperlich in Bewegung bleiben und deren Leben nicht an Spannung verloren hat.
Auch zum Abschluss wartete das Programm mit einem interessanten Kontrast auf: Der erst 17jährige Manuel Depryck, Sohn des Era-Mitglieds Lucien Deprijck, nahm Stellung zu einem aktuellen Vorwurf an seine Altersgenossen. In den Medien werde die Jugend des grenzenlosen Alkoholkonsums bezichtigt – Depryck bestätigt dies. Die Sprache war stellenweise gewagt für ein derart gemischtes Publikum. Mit einer amüsanten Abhandlung über Figurprobleme hatte der sympathische Nachwuchsautor jedoch alle Lacher auf seiner Seite.
„Alt trifft Jung“ – ein Motto, mit dem die Schreiber vielfältige Themen ihres Lebens vorstellten. Ergebnis: eine unterhaltsame Mischung aus Gedanken und Reaktionen einer Gesellschaft, die laufend Anpassung an ihre Produkte fordert.
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