Ratingen: Der erste „Pop-Poet“
VON JULIA TROESSER - zuletzt aktualisiert: 07.03.2007Düsseldorf (RPO). 2007 ist in der evangelischen Kirche das Paul-Gerhardt-Jahr. Der Pfarrer und Liedermacher wurde vor 400 Jahren geboren. Bis heute gehören seine Werke in jedes Gesangbuch.
Biografie
Paul Gerhardt wurde am 12. März 1607 in Gräfenhainichen geboren. 1643 zog er nach Berlin, wo er auf den Kantor Johann Crüger traf und 1647 die ersten Lieder in einem Gesangbuch veröffentlichte. Ab 1651 war er Pfarrer in Mittenwalde. 1667 wechselte er nach Lübben, wo er am 27. Mai 1676 starb. Es wurden 138 Lieder und Gedichte von ihm überliefert.
Ratingen/Tiefenbroich Wenn Kirchenbesucher an Weihnachten „Ich steh an deiner Krippen hier“ singen, werden vielleicht einige den Namen des Dichters kennen: Paul Gerhardt. Doch wer der evangelische Liedermacher war, wie und wann er gelebt hat, das werden wohl die wenigsten wissen. Anlässlich des 400. Geburtstages von Paul Gerhardt am 12. März 2007 veranstaltet die Evangelische Kirche deshalb das Paul-Gerhardt-Jahr.
„Der Mensch hinter den Liedern soll erkennbar werden“, sagt Stephan Weimann, Pfarrer in der Paul-Gerhardt-Kirche in Tiefenbroich. Diese trägt seit 1976 den Namen des berühmten Liedermachers. Die Gemeindemitglieder haben sich in einer Versammlung entschieden, die Kirche nach ihm zu benennen. „Bei uns gab es schon immer viele Flüchtlinge“, so Weimann, „viele haben durch Gerhardts Lieder neue Hoffnung bekommen“.
Anlässlich des Jubiläums werden verschiedene Gottesdienste und Veranstaltungen angeboten, die den Besuchern den Dichter näherbringen sollen. Den Auftakt bildet ein Gottesdienst am Montag, 12. März, dem Geburtstag Paul Gerhardts. Es folgen Passionsandachten am 16., 23. und 30. März und ein unterhaltsamer Kleinkunstabend des „Comedy Kabarett Clubs“ am 17. März. Am darauffolgenden Sonntag wird um 10 Uhr in der Paul-Gerhardt-Kirche ein Familiengottesdienst gefeiert, den Abschluss bildet ein Gottesdienst in der Stadtkirche am Sonntag, 6. Mai.
Die Kirchengemeinde lädt außerdem für den 16. März zu einem Vortrag von Prof. Dr. Christian Möller im Haus am Turm ein. Der Referent aus Heidelberg wird sich mit Paul Gerhardt und seinen Texten beschäftigen. „Und er wird zeigen, was an Trotz und Trost in den Liedern steckt“, erzählt Dr. Gert Ulrich Brinkmann, Pfarrer im Bezirk Mitte/Süd. „Paul Gerhardt ist einer der Namen, die für das typisch Evangelische stehen“, so Brinkmann, „er gehört zu der evangelischen Skyline wie die Frauenkirche in Dresden und der Michel in Hamburg.“
Die beiden Pfarrer singen mit Kindergartenkindern, Konfirmanden und Kirchenbesuchern viele Lieder von Paul Gerhardt. „Die kommen immer noch gut an“, sagt Weimann. Die Melodien zu den Texten schrieb übrigens Johann Crüger. „Die beiden waren wie Lennon und McCartney, wie Mick Jagger und Keith Richards“, sagt Brinkmann. „Gerhardt war damals eine Art Pop-Poet und Crüger komponierte so eingängige Melodien, dass die Musik damals richtig populär wurde.“
Vielleicht ist das der Grund dafür, dass Paul Gerhardt noch heute mit 26 Liedern im Stammteil des evangelischen Gesangbuches zu finden ist. Mehr Platzierungen erhielt dort nur Martin Luther.
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