Ratingen: Der längste Stollen
VON GISELA SCHÖTTLER - zuletzt aktualisiert: 03.12.2007Düsseldorf (RPO). Das Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr aus Hilden spielte in der Stadthalle zugunsten von fünf Heim-Fördervereinen. Von Ratinger Konditoren gab es vorher einen zehn Meter langen Stollen.
Einen grandiosen Abschluss fand die vor drei Wochen begonnene Serie der Ratinger Benefizkonzerte mit dem Auftritt des Ausbildungsmusikkorps in der Stadthalle. Trotz anfänglicher Bedenken wegen des schleppenden Kartenvorverkaufs war der Saal mit nahezu 600 Gästen wohlgefüllt. Das in einem höchst überraschungsreichen Programm gezeigte Können riss alle Zuhörer gleichermaßen mit. Für die fünf Fördervereine, die diesen Nachmittag in einjähriger Vorbereitung geplant hatten, war der Erfolg belebend, und der von fünf Konditoreien gespendete und mit über zehn Metern längste Stollen der Stadt wurde in der Pause bis auf wenige Scheiben ebenfalls für den guten Zweck vertilgt.
Oberstleutnant Reinhard Kiauka präsentierte seine 73 jungen Musiker (16 davon weiblich) mit dem passend überschriebenen Marsch „Jubelklänge“ von Ernst Uebel und zündete sofort den Funken zwischen Orchester und Publikum sozusagen mit dem kleinen Finger. Die Präzision seines Dirigates, die bis zum Schluss fesselte, war dabei eine Komponente, die Spielfreude und das Tempo des Ausbildungsmusikkorps die andere, zusammengefügt durch eine gewinnende Moderation.
Der Bläserstar des Nachmittags trat gleich im zweiten Stück vor kleinerer Besetzung an die Rampe. Andreas Thomas entzückte in Rossinis Klarinetten-Variationen mit Virtuosität, Eleganz und Ausdruckstiefe gleichermaßen und machte seine Zuhörer mit halsbrecherischen Tonfolgen sprachlos vor Staunen. Der Gesangsstar allerdings kam aus dem Zivilbereich. Die Sopranistin Sonja Nicolai bezauberte anfangs mit dem Csárdas aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß mit wandelbarer Stimme zwischen Melancholie und glockenheller Lebensfreude, um dann im zweiten Teil mit der Ballade „One Moment in Time“ von Hammond/Bettis und mit der Zugabe „It’s wonderful“ von Gershwin mit blühender Stimme per Mikrofon sogar das volle Orchester zu übertönen. Wie wandelbar das Hildener Musikkorps ist, konnte es mit den kraftvollen Sätzen aus Carl Orffs „Carmina Burana“, in denen es vor allem für die sieben Schlagzeuger eine Menge zu tun gab, ebenso beweisen, wie mit der gagreichen Ouvertüre zu „Candide“ von Leonard Bernstein. Tradition und Moderne verbanden sich eindrucksvoll in der Festlichen Begrüßung aus Wüsthoffs Suite „Frohe Jagd“, verziert von Plesshorn-Solisten mit Echoeffekt. Einen weiteren Solisten offenbarte der Blues aus „Verdammt in alle Ewigkeit“ mit dem Trompeter Peter Kästner, der den wesentlichen Part herzzerreißend quäkend allein auf dem Mundstück spielte. Sattes Gelächter freilich gab es, als im Marche grotesque „Don Quixote“ von Theo Rupprecht vor allem die Schlagzeuger völlig außer Rand und Band geraten zu sein schienen.
Das immer wieder zum Klatschen mitreißende Finale war schließlich ein Medley aus zwölf weltbekannten Schlagern. Erst nach der zweiten Zugabe, dem perfekt gespielten Radetzkymarsch, durfte die Truppe abziehen.
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