Ratingen: Dicker Turm, lange Leitung
VON NORBERT KLEEBERG - zuletzt aktualisiert: 11.07.2007Düsseldorf (RPO). Ein langer klobiger Kasten verunstaltet das historische Wahrzeichen. Was nun?
Friedel Lepper holte eines Tages Brötchen – und kam plötzlich vom Weg ab. Denn das, was er sah, verschlug ihm die Sprache. Gestern bat der Bildhauer, der unter anderem den Brunnen an den Suitbertus-Stuben und den Rathausbrunnen gestaltet hat, kurzerhand zum Ortstermin. Fassungslos steht er vor dem Dicken Turm und zeigt auf einen meterhohen Leitungskasten, der das historische Wahrzeichen (siehe Info-Kasten) nun verschandelt. „Schön sieht anders aus“, wetterte Lepper, der nicht verstehen kann, dass man diesen Prachtkerl aus dem späten Mittelalter „derart verschandelt“ hat. Lepper rief bei der Unteren Denkmalbehörde an, die ihm sinngemäß berichtete, dass man den Kasten, unter dem Wasser- und Elektroleitungen liegen, bewuchern lassen wolle. „Bloß nicht mit Efeu“, so warnte Lepper, „denn die Wurzeln sind derart kräftig, dass sich Steine lösen können.“ Lepper ist verärgert, „weil man hier eine Chance verpasst hat, eine andere, adäquate Lösung zu finden“. Aus seiner Sicht hätte man für ein Rohr eine Kupferverkleidung wählen können – ein Rohr, das vom Turm absteht und nicht direkt an das Mauerwerk schließt.
So ähnlich sah auch der Vorschlag der Ratinger Jonges aus. Baas Georg Hoberg wirkte gestern nicht gerade glücklich. Die Stadtwerke, so berichtete er, hätten den Vorschlag des Heimatvereins für nicht durchführbar erklärt. Als der Baas aus dem Urlaub zurückkam, wurde er vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Leitungen, die auch zur Sanitäranlage im Turm führen, wurden mit diesem langen Kasten verkleidet. „Ein Kompromiss, mit dem sich auch die Untere Denkmalbehörde arrangieren konnte“, sagte Hoberg.
Und nun? Klar ist, dass die Jonges diese Installation nicht mehr abbauen lassen können, schließlich sind die Stadtwerke Sponsor des Projektes. Und sie haben sich für die Sanierung des Dicken Turms stark gemacht. Allein die Leitungsarbeiten sollen sich auf einen satten fünfstelligen Betrag belaufen. Hoberg denkt daran, den Kasten bewuchern und regelmäßig pflegen zu lassen, denn das Mauerwerk sollte nicht komplett begrünt werden. Manfred Fiene, der Leiter des Grünflächenamtes, soll Vorschläge unterbreiten.
Friedel Lepper bleibt dabei: „Man sollte diesen Kasten entfernen und eine andere Lösung finden.“ Doch dafür ist es jetzt wohl zu spät. Die Sanierungsarbeiten im Turm gehen unterdessen weiter und zügig voran. KOMMENTAR
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