Ratingen: Die 712 kommt als Bus
VON JOACHIM PREUSS - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010Düsseldorf (RPO). Ab Montag werden Gleise, Oberleitung und Haltestellen der Straßenbahnlinien 712 und 719 erneuert. Bis zum 27. Oktober fahren in Düsseldorf Ersatzbusse, in Ratingen bis 15. November. Es gibt einen Fünf-Minuten-Takt.
Ratingen/Düsseldorf Auf die Fahrgäste der Straßenbahnlinie 712 kommen schwere Zeiten zu: Ab nächstem Montag, 6. September, wird die Strecke zwischen Schlüterstraße/Arbeitsagentur und Ratingen Mitte wegen Umbauarbeiten komplett gesperrt. Ersatzbusse fahren meist im Fünf-Minuten-Takt. Besonders an der Haltestelle Schlüterstraße dürfte es "hakeln": Es wird empfohlen, mindestens "einen Bus früher" zu nehmen, um später problemlos umsteigen zu können. In Ratingen erläuterten gestern Stefan Knab, Streckenplaner der Rheinbahn, und Michael Hölzle, Leiter des Planungsamtes in Ratingen, das 8,5 Millionen Euro teure Projekt.
Hintergrund ist der U-Bahn-Ausbau in Düsseldorf: Wenn etwa ab 2014 der Wehrhahn-Tunnel in Betrieb geht, verschwindet die 712 dort im Untergrund und wird zur Stadtbahnlinie U 72. Dann heißt es auch Abschied nehmen von den alten gelben Zügen, die seit Jahrzehnten für ein bisschen Romantik sorgen. Sie werden nach Polen verkauft und durch die modernen Niederflurbahnen vom Typ NF8U ersetzt: "NF" steht für Niederflur, die "8" für acht Achsen und das "U" für U-Bahn-tauglich. Sie sind mit 60 Metern nicht nur länger als die bisherigen Bahnen (43 Meter mit Anhänger), sondern mit nur 25 Zentimetern Einstiegshöhe auch wesentlich niedriger als die normalen Bahnen. Das bedeutet: Zwölf Haltestellen müssen verlängert und tiefergelegt werden. Nur der Umbau des Düsseldorfer Platzes lasse noch auf sich warten, sagte Hölzle: Er rechne damit nicht vor 2013/2014, weil man auch "städtebaulich" vieles verändern wolle. Und das dauere eben seine Zeit, allein schon wegen des Planfeststellungsverfahrens.
Doch zunächst gilt es, die Bauarbeiten über die Bühne zu bringen. Denn neben den Haltestellen werden auch die Gleise neu verlegt: Das solle für mehr "Fahrdynamik" und Komfort für die Gäste sorgen, sagte Knab. Zwischen den Haltestellen werden die Gleise in Ratingen in Gras gebettet. Zusätzlich wird die Oberleitung neu verdrahtet.
Die 712 ist nach der 701 die am stärksten frequentierte Strecke – mit täglich 38 000 Fahrgästen. In die jetzigen Bahnen passen 340 Fahrgäste, in die Ersatzgelenkbusse nur 100. Auch wenn die 16 Leihbusse meist im Fünf-Minuten-Takt fahren, sollte man sich auf Wartezeiten und Verspätungen einstellen: Denn die Busse müssen sich nach jedem Halt wieder in den Verkehr einfädeln. Man habe versucht, Haltebuchten in der Nähe der bisherigen Haltestellen zu finden, um den Individualverkehr möglichst nicht zu behindern, sagte Knab.
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