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Ratingen: Die Angst besiegen

VON REGINA HARTLEB - zuletzt aktualisiert: 30.09.2006

Düsseldorf (RPO). Annette Rexrodt von Fircks startet mit ihrem ersten Stiftungsprojekt: „Gemeinsam gesund werden“. Ein Programm für an Brustkrebs erkrankte Mütter und ihre Kinder. Kooperation mit namhaften Experten.

Sie hat alle medizinischen Statistiken gesprengt und aus einer persönlichen Katastrophe das Beste gemacht: Annette Rexrodt von Fircks war 35 Jahre alt und Mutter dreier Kinder, als Ärzte bei ihr die Diagnose Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium stellten. Das war vor acht Jahren. Heute geht es der gelernten Dolmetscherin und Übersetzerin gut. Ein Ziel treibt die Ratingerin seit ihrer Genesung unermüdlich an: „Ich möchte anderen Betroffenen Mut machen und Hoffnung geben.“

Ihr Kampf gegen den Krebs füllt inzwischen mehrere Bücher. Sie ist gern gesehener Gast bei Fachveranstaltungen und im Fernsehen. Mit ihrer Rexrodt von Fircks Stiftung hat sie vor einem Jahr einen Meilenstein gesetzt. Jetzt geht das erste Projekt an den Start: In der Klinik Ostseedeich in Grömitz läuft Ende Oktober das Programm „Gemeinsam gesund werden“ an: Mütter, die an Brustkrebs erkrankt sind, können sich dort gemeinsam mit ihren Kindern erholen. Das Besondere dabei: Neben der klassischen Reha-Therapie für die Frauen erfahren Mütter und Kinder hier eine spezielle Betreuung. In einem „geschützten Raum“ und mit Hilfe speziell ausgebildeter Therapeuten werden sie auf die Rückkehr in den Alltag vorbereitet.

Mädchen und Jungen aller Altersgruppen sind im Haus willkommen. Fircks: „Es gibt einen Kindergarten und eine Schule im Haus sowie vielfältige Angebote in den Bereichen Sport, Entspannung oder Kreativität.“ Kinder- und Jugendpsychotherapeuten sind während des dreiwöchigen Aufenthalts ständig vor Ort. Wenn sie gewisse Auffälligkeiten bei den Kindern beobachten, können sie helfen. Auch nach den drei Wochen Aufenthalt werden die Familien weiter betreut. Die Kinder zum Beispiel können sich per E-Mail oder Telefon an ihren vertrauten Ansprechpartner wenden.

Und die Mütter? Die lernen, wie sie mit der Krankheit gegenüber den Kindern umgehen. Wie sie die eigene Sprachlosigkeit und Trauer überwinden. Wie sie Ängste und Sorgen ihrer Kinder erkennen und verstehen. Wie schwer das ist, weiß Rexrodt von Fircks aus eigener Erfahrung: „Ich selbst war nicht immer authentisch zu meinen Kindern“, sagt sie. Oft habe sie gerade in Momenten intensiver Freude plötzlich tiefe Trauer überkommen. Trauer, die sie dann zu überspielen versuchte. „Dabei spüren Kinder immer, wie es einem geht. Und es ist für sie das Schlimmste, wenn sie nicht wissen, was los ist.“

Das Stiftungs-Projekt wird von vielen Krankenkassen unterstützt und von namhaften Medizinern betreut. Eine fünfjährige Studie dokumentiert am Universitätsklinikum Marburg und an der Universität Witten/Herdecke den Verlauf.

Annette Rexrodt von Fircks ist unermüdlich im Einsatz für ihr Lebenswerk. „Diese Aufgabe hat Sinn und Wert für mich. Obwohl die Familie schon manchmal meckert, dass ich so viel weg bin“, erzählt sie lachend. Umso mehr genießt sie gemeinsame Stunden mit Ehemann Jo, Tochter Charlotte (12) und den zwei Söhnen Sebastian (14) und Lionel (16). „Nicht die Quantität des Beisammenseins zählt, sondern die Qualität“, sagt sie.

Eine Frau, die Hoffnungsträgerin für Tausende ist, muss es wissen.

Quelle: RP

 
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