Ratingen: Die Lamprechts lesen Böll
zuletzt aktualisiert: 13.10.2011Ratingen (RP). Das Schauspielerpaar Günter Lamprecht und Claudia Amm liest am Donnerstag in der Tragödchen-Reihe des Buchcafés Peter und Paula aus dem Roman "Der Engel schwieg" von Heinrich Böll. Es gibt noch Karten.
Wegen der großen Nachfrage findet die Lesung nicht in der Buchhandlung statt, sondern im Konzerthaus der Wasserburg Haus zum Haus, Mühlenkämpchen 8. Beginn ist um 20 Uhr. Warum Böll? Der gebürtige Berliner Günter Lamprecht wohnt mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Claudia Amm in Bornheim bei Köln und hat vor einiger Zeit begonnen, das Grab des Schriftstellers und Nobelpreisträgers Heinrich Böll (1917-1985) in Bornheim-Merten "ein bisschen zu pflegen". Der in Köln geborene Autor ist ziemlich in Vergessenheit geraten, daran hat auch die 2010 bei Kiepenheuer & Witsch erschienene, 27 Bände umfassende Gesamtausgabe seiner Werke nichts geändert.
Die Menschen und ihr Hunger
Lamprecht und Amm werden in Ratingen unter anderem aus Heinrich Bölls posthum veröffentlichten Roman "Und der Engel schwieg" lesen. Es geht um die Nöte der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Böll in Köln und Günter Lamprecht in Berlin erlebte. Zum Inhalt des Romans: Am 8. Mai 1945 kehrt ein junger Soldat, mit falschen Papieren desertiert, in seine zerbombte Heimatstadt zurück. Er ist auf der Suche nach Brot, nach einer Bleibe und nach Menschen: "Es wird nichts vom Krieg erzählt, kaum etwas von der Nachkriegszeit, diesem Dorado des Schwarzhandels und der Korruption: Es zeigt nur die Menschen dieser Zeit, ihren Hunger, und berichtet von einer Liebesgeschichte", notierte Böll zu seinem Roman.
Dieser und andere Texte von Böll, die als "Trümmerliteratur" in die Geschichte eingegangen sind, werden von Claudia Amm, Günter Lamprecht und Tragödchen-Chef Bernhard Schultz gelesen. Günter Lamprecht (81) war bereits viermal Lesegast im Tragödchen und ist mittlerweile Ehrenmitglied des Tragödchen-Ensembles. Zu seinen bedeutendsten Filmrollen zählt die des Franz Biberkopf in Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz" (Regie: Rainer Werner Fassbinder). In seiner Karriere spielte Lamprecht oft einfache Leute, was ihn wiederum mit Böll verbindet, der oft über einfache Leute schrieb. In Ratingen stellte Lamprecht die beiden Teile seiner Autobiografie vor, las aus "Berlin Alexanderplatz", widmete sich gemeinsam mit Claudia Amm dem Ehezwist von Lew Tolstoi und Sofja Tolstaja. Das Böll-Programm von Lamprecht und Amm wurde im November 2010 in Bornheim-Merten mit großem Erfolg uraufgeführt – kein Platz soll damals unbesetzt geblieben sein.
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