Ratingen: Die Vorleser
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 24.11.2007Düsseldorf (RPO). Acht Ratinger Prominente griffen gestern zu Astrid-Lindgren-Büchern und lasen gut 300 Schülern daraus vor. Für die Stadtbibliothek, die das Ganze organisierte, ist die Aktion zum bundesweiten Vorlesetag ein Erfolg.
Der Mann mit der grünen Uniform und der Pistole im Halfter hatte gestern einen ganz besonderen Auftrag. Er musste drei Schulklassen fesseln. Zumindest im übertragenen Sinn, nämlich mit dem Wort. Das freilich hatte sich der Höseler Dorfpolizist Jörg Bach von Astrid Lindgren geliehen. Denn er las für die 3. Klassen der Wilhelm-Busch-Schule aus „Kalle Blomquist“ vor.
Eine spannende Mischung, denn: „Die Polizisten kommen bei Astrid Lindgren ja nie so gut weg“, sagte Bach und schmunzelte. In den Augen der gut 20-köpfigen Zuhörerschaft war das allerdings kein Problem. „Sie kennen Herrn Bach, weil er die Schüler oft begleitet“, sagte Ute Knepper, Leiterin der Stadtteilbücherei Hösel, die den Polizisten eingeladen hatte. Zum Vorlesen. An vielen verschiedenen Orten, etwa dem Medienzentrum und den Stadtteilbüchereien Hösel, Homberg, Lintorf und West, spielten sich gestern ähnliche Szenen ab. Acht Ratinger Prominente lasen für etwa 300 Schüler. Anlass war der bundesweite Tag des Lesens.
„Für Astrid Lindgren haben wir uns entschieden, weil sie ja in diesem Jahr 100. Geburtstag gefeiert hätte“, sagte Sabine Köchling, Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek im Medienzentrum, die das Ganze organisiert hat. Bereits vor mehr als einem halben Jahr hatte sie die ersten Weichen gestellt und Prominente, etwa Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese, angesprochen. Von der Resonanz der „Vorleser“ sowie auch der Kinder gestern ist Köchling „begeistert“. In Zukunft soll der Tag des Vorlesens ähnlich gefeiert werden. Aus Sicht der Fachfrau tut das auch Not: „Wenn wir fragen, wer denn zu Hause vorgelesen bekommt, geht bei einer dritten Klasse zum Beispiel nur die Hälfte der Finger hoch.“ Ob so ein Tag Kindern die Lust an Büchern geben kann, die zu Hause nichts damit zu tun haben, bejahte Köchling verhalten. „Es ist auf jeden Fall ein Baustein.“
Tatsächlich saßen die Drittklässler in der Stadtteilbücherei Hösel ganz ruhig und gespannt auf den Stühlen und Bänken und lauschten der Geschichte des 13-jährigen Kalle Blomquist, der gerne ein großer Meisterdetektiv wäre und am Ende sogar doch einen Juwelenraub aufdeckt. An einigen Stellen gab es leises Gekicher, etwa als Polizist Bach vorlas: „Polizisten erkennen keinen Mörder, selbst wenn sie über ihn stolpern.“
Dorfpolizist Bach nahm’s mit Humor. Denn Kalle Blomquist wurde nicht zufällig für den Freund und Helfer ausgewählt. „Ich lese selbst sehr viel – Agentenromane“, verriet Bach. Für ihn war es besonders wichtig, dass die drei Klassen miteinander ins Gespräch über die Geschichte kommen oder auch selbst das Buch zur Hand nehmen. Deshalb las er den drei Klassen jeweils eine andere Stelle vor. „Ich frage nachher die anderen, wie es weitergeht“, sagte Maike (8) aus der 3a.
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