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Ratingen: Ein kleines Haus voller Schätze

VON CORDULA HUPFER - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012

Ratingen (RP). Als Ort für freie Ausstellungen steht der Trinsenturm am Wehrgang vor dem Aus. Eine Alternative ist noch nicht in Sicht. Wie halten andere Städte es mit der Unterstützung freier Kunst?

Die RP stellt Künstlerhäuser im Kreis Mettmann vor. Heute geht es um das Kunsthaus Mettmann.

Mettmann Wenn der Trinsenturm zum Museum für die historische Puppen- und Spielzeugsammlung des Ratinger Stadtmuseums wird, wie es die Kulturverwaltung vorhat, gibt es für die heimischen Künstler erst einmal keinen eigenen Ausstellungsort mehr. Ins Rollen gekommen war die Sache durch die kürzliche Auflösung des Hauptnutzers, des Vereins Galerie Kunstturm im Trinsenturm, der seit über 25 Jahren vor allem Arbeiten junger Künstler, meist Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie, im Turm zeigte – Ausstellungen, von denen auch das Kunsthaus auf der Lohstraße im benachbarten Mettmann profitierte, wie Sabine Brock vom Verein "Kunsthaus Mettmann" erzählt.

Aus der Artothek ausleihen

"Wir haben uns gegenseitig die Bälle zugespielt, weil unser gemeinsamer Schwerpunkt die Förderung junger Künstler der Akademien ist", sagt Brock, die bedauert, in Ratingen nun keine Mitstreiter mehr zu haben. Wie im Trinsenturm wird im Kunsthaus Mettmann aber nicht nur Akademiekunst gezeigt. Freie Künstler aus der Region können sich beim Vereinsvorstand vorstellen und die drei Präsentationsräume des Hauses während der Ausstellungspausen mieten, zum Preis von 100 Euro pro Wochenende (Donnerstag bis Sonntag).

Für den rund 50 Mitglieder zählenden Verein ist das eine von mehreren Einnahmequellen, die dringend gebraucht werden, um Miete und Heizkosten für das hübsche, adrett geweißelte Häuschen zu bezahlen, das nicht etwa der Stadt Mettmann gehört, sondern in Privatbesitz ist. Da der Verein keine symbolische, sondern eine an den Wohnungsmarktpreis angepasste Miete zahlt, ist er auf mehr als das angewiesen, was der Mitgliedsbeitrag (65 Euro pro Jahr) einbringt – und stand vor zwei Jahren auch schon einmal auf der Kippe. Eine wichtige Säule ist die Vermietung der drei Ateliers im Haus an Kunststudenten und freie Künstler, erzählt Sabine Brock. Auch die sogenannte Artothek bringt Geld in die Vereinskasse.

Diese Sammlung, die über 100 künstlerische Arbeiten enthält, wächst mit jeder Ausstellung, die der Verein organisiert, weil alle Künstler, die auf Einladung kostenlos im Kunsthaus Mettmann ausstellen, als Gegenleistung eines ihrer Werke zurücklassen und damit die Artothek bereichern. Jeder Kunstinteressierte kann darin stöbern und einzelne Werke zum Preis von 15 Euro für drei Wochen ausleihen – oder auch kaufen, so dass der Verein von dem Erlös ein neues Werk desselben Künstlers erwerben kann. Da im Kunsthaus ausgewählte Akademieschüler ausstellen, "haben wir immer wieder echte Schätze zu erschwinglichen Preisen in der Artothek", sagt Sabine Brock. Sie legt Wert darauf, durch immer neue Aktionen das Interesse der Bürger am Kunsthaus zu wecken oder wach zu halten, und bezieht dabei gerne auch die Geschäftsleute der Stadt mit ein.

Schaufenster-Schau in der Stadt

Nicht etwa in Form von Spendendosengeklapper, sondern mit Ausstellungen, die sich vom Kunsthaus bis in die Schaufenster diverser Innenstadtläden erstrecken. Wer beispielsweise derzeit ins Kunsthaus schaut, kann auch außerhalb der Öffnungszeiten (freitags von 17 bis 19 und samstags von 11 bis 13 Uhr) ein Video des Wuppertalers Kai Fobbe entdecken. Es ist Teil der Installation "99 Orte", die auf 33 Mettmanner Schaufenster verteilt 99 Kurzfilme vorstellt, in denen ein Ensemble-Mitglied des berühmten Tanztheaters Pina Bausch in moderner Gebärdensprache die geografischen Koordinaten jenes Ortes benennt, der im Hintergrund zu sehen ist.

Malerei, Fotografie und neuerdings auch Skulpturen – der Verein bemüht sich um alle Formen der Kunst, will in naher Zukunft auch die Kombination von Malerei und Fotografie zeigen, die Sabine Brock beim jüngsten "Rundgang" der Kunstakademie Düsseldorf – läuft noch bis kommenden Sonntag täglich von zehn bis 20 Uhr – besonders aufgefallen ist. Sie hat wieder Kontakte geknüpft und kündigt Spannendes an. Ab 24. Februar stellen aber erst einmal die Vereinsmitglieder neue Arbeiten vor.

Quelle: RP


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