Ratingen: Ein Netzwerk gegen Stress
zuletzt aktualisiert: 31.03.2008Düsseldorf (RPO). montagsinterview Die Gleichstellungsstelle präsentiert Mitte April die ersten „Frauen Gesundheitstage“. Was das fürs Wohlbefinden in der Stadtverwaltung bedeutet, sagt Gesche Hansmeier.
Die Stadt organisiert Gesundheitstage für Frauen und spricht dabei ihre eigenen Mitarbeiterinnen an. Geht es denen nicht gut?
Hansmeier Den Frauen hier geht es nicht schlechter oder besser als anderen Berufstätigen. Es gibt generell viele Studien, dass Frauen immer häufiger an so genannten Männerkrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Burnout leiden. Das beschäftigt uns in der Gleichstellungsstelle natürlich.
Woher kommt das?
Hansmeier Es gibt zwar für Frauen inzwischen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber das führt auch zu hoher Belastung: Meist kommt zur Belastung im Beruf noch die Arbeit zu Hause und mit den Kindern hinzu. Frauen sehen sich nicht mehr als Rabenmütter, wenn sie arbeiten gehen – und diese Entwicklung wird sich in den nächsten 20 Jahren noch verstärken. Die Männer verändern ihr Rollenbild nicht in diesem Maße – das ist ein Konflikt, bei dem die Überlastung der Frau schon programmiert ist.
Wie kann ein Gesundheitstag helfen?
Hansmeier Über die Hälfte der Mitarbeiter der Stadt Ratingen sind Frauen. Wir haben uns überlegt, welche Hilfen wir ihnen anbieten können, die sie auch in ihr Leben einbauen können. Das sind zum Beispiel Vorträge zu Entspannungstechniken, zu gesunder Ernährung oder zu Zeitmanagement.
Was bedeutet das konkret für die Arbeit?
Hansmeier Frauen neigen dazu, in allen Lebenslagen perfekt sein zu wollen. Das verursacht zusätzlichen Stress. Vor allem bei Teilzeitarbeit ist es manchmal schwierig, alles zu koordinieren. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Man muss zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt Schluss machen mit der Arbeit, weil das Kind aus dem Kindergarten abgeholt werden muss. Vielleicht liegt ausgerechnet dann aber eine ganz dringende Arbeit auf dem Schreibtisch. Das ist ein großer Stressfaktor: Man kann die Arbeit nicht dann beenden, wenn sie fertig ist, sondern wenn man muss.
Diese Zwickmühle ist schwer zu lösen.
Hansmeier Wichtig ist, dass Frauen akzeptieren, dass es diese Fälle geben kann. Und dass sie nicht denken, sie müssten alles gleichzeitig schaffen. Für solche Situationen sollten Frauen schon lange vorher ein Netzwerk aufbauen, so dass sie jemanden haben, der im Notfall das Kind versorgen kann. Natürlich müssen sich die Frauen dann immer klar machen, ob die Situation so ein Notfall ist oder nicht.
Die Stadt kümmert sich im Gesundheitsbereich aber sicher nicht nur um weibliche Angestellte?
Hansmeier Nein. Die berufliche Gesundheitsfürsorge ist allgemein sehr wichtig. Das Personalamt hat im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements Lungenfunktionstests und die Kontrolle der Blutfettwerte angeboten. In der kommenden Woche trifft sich außerdem zum ersten Mal ein Arbeitskreis, der ein Konzept erarbeiten wird, welche Angebote es für welche Bereiche geben soll.
Da wird differenziert?
Hansmeier Ja. Zum Beispiel haben Erzieherinnen oft enorme Rückenbelastung. Sie heben und tragen schwer und sitzen auf kleinen Stühlen. Da muss es natürlich spezielle Angebote geben, damit die Bereiche individuell gefördert werden.
Corinna Kuhs führte das Gespräch.
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