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Ratingen: Ein rheinischer Künstler

VON MICHAEL DEKKER - zuletzt aktualisiert: 31.07.2010

Düsseldorf (RPO). Ratingen hat zwar keine Kunstakademie, aber Ratingen hat, gottlob, Peter Brüning, der hier bis zu seinem frühen Tod lebte und arbeitete. Die Schau zum 80. Geburtstag des Informelkünstlers sollte man sich nicht entgehen lassen.

Im Kabinett des Stadtmuseums sind derzeit vornehmlich Zeichnungen von Peter Brüning zu sehen.   Foto: RPO
Im Kabinett des Stadtmuseums sind derzeit vornehmlich Zeichnungen von Peter Brüning zu sehen. Foto: RPO

Schon im Eingangsbereich trifft der Besucher auf erste Werke der Ausstellung "Peter Brüning zum Achtzigsten". 1929 wurde Brüning in Düsseldorf geboren und wohnte später in Ratingen. Rechts in einer Nische ist die Installation "Lichterwald" aus dem Jahr 1967 aufgebaut. Grün blinkend macht sie auf sich aufmerksam und erinnert an natur- und stadträumliche Kontraste. Dieser Eindruck wird durch das Bild "Superland Ruhrtalbrücke" aus dem gleichen Jahr im Hintergrund verstärkt. Die Autobahnbrücke durchschneidet die kultivierte Agrarlandschaft, auf der unheimliche Gebilde die industrielle Atmosphäre verstärken.

Info

Bis 22. August

Bis zum 22. August ist die Ausstellung "Peter Brüning zum Achtzigsten" im Museum der Stadt Ratingen, Peter-Brüning-Platz 1, zu sehen. Etwa 20 Werke aus dem von Marie-Luise Otten betreuten Nachlass Peter Brünings sind zu sehen. Geöffnet ist die Schau dienstags bis freitags von 13 bis 18, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Werke aus den 60er Jahren

Gegenüber an der Wand befinden sich zwei weitere Bilder aus Brünings Spätwerk. Biegt man jedoch vor der Nische links ab, gelangt man in das Kabinett. Es ist ein kleinerer Raum, in dem sich die meisten Werke des Künstlers befinden. Zeichnungen, Bilder und das Ölbild Nr. 109 aus dem Jahr 1962 werden in der Sonderausstellung präsentiert. Alle Werke sind in den 1960er Jahren entstanden.

In unterschiedlichen Farben wurden die Bilder angelegt. Meist mit Rottönen, gemischt mit anderen Farben oder in Schwarz-Weiß. Dynamisch, energisch, abstrakt und kraftstrotzend. Zentren und Unterzentren werden durch Farbflächen gebildet. Jene verlaufen meist zum Ende derselben in feine graphische Strukturen aus. Eine gestische Qualität von tanzenden Emotionen wird spürbar. Peter Brüning, der 1970 mit 41 Jahren verstarb, wäre Ende 2009 achtzig Jahre alt geworden. Infolgedessen ist dieses Jahr die Ausstellung im Stadtmuseum Ratingen zustande gekommen. Beteiligt sind daran die Freunde und Förderer des Museums, die Peter-Brüning-Gesellschaft und der Nachlass Peter Brüning.

Peter Brüning gilt als einer der jüngsten und wichtigsten Vertreter des deutschen Informel. Darunter versteht sich im weitesten Sinne die Bedeutsamkeit des Formlosen, die Richtung der gegenstandsfreien Kunst. Zusammen mit K. O. Götz, Bernard Schulze und Gerhard Hoehme hat er den künstlerischen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend mitgestaltet. Anfang der 1950er Jahre studierte er bei Willi Baumeister an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Seit 1969 hatte Brüning einen Lehrstuhl für Malerei an der legendären Düsseldorfer Kunstakademie inne.

In der Ausstellung sind es vor allem Bilder der mittleren, gestisch-abstrakten Phase Brünings, auf die der Betrachter trifft.

Spätere Werke, wie die im Eingangsbereich, sind als kartographische Zeichensprache zu verstehen. K. O. Götz sagte dazu: "Das war Peter Brünings Ausbruch aus dem Informel."

Die Räumlichkeit des Kabinetts unterscheidet sich deutlich gegenüber jener noch bis Sonntag parallel laufenden Surrealismus-Ausstellung. Doch werden leider auch die Brüning-Bilder in schummriger Beleuchtung präsentiert. Glücklicherweise sind die Wände hier weiß gestrichen worden. Die Steine des Mauerwerks, die sich unter dem Weiß abzeichnen, wirken interessant. Sie vertragen sich mit den Bildern Brünings, arbeiten mit am eigenwilligen Charakter.

Die Kunst des Informel erlebt dieses Jahr offenbar eine Blütezeit. So endet dieses Wochenende die große, dem Informel und dem abstrakten Expressionismus gewidmete Ausstellung "Le grand Geste!" im Düsseldorfer Museum Kunstpalast, in der mehrere Werke Brünings prominent platziert sind. Die Rezensentin der FAZ notierte dazu anerkennend: "Helen Frankenthaler und Emilio Vedova, Cy Twombly und Peter Brüning begegnen sich auf Augenhöhe."

Quelle: RP

 
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