Heiligenhaus: Eine Chronik des Erfolgs
VON PHILIPP ADOLPHS - zuletzt aktualisiert: 20.10.2008Düsseldorf (RPO). Zum 100-jährigen Bestehen der Stadtbücherei Heiligenhaus recherchierte Ruth Ortlinghaus in der literarischen Geschichte der vergangenen 100 Jahre. Es wurde eine spannende und lehrreiche Reise bei der gestrigen Jubiläumsfeier.
Mit 238 Bänden hat die Stadtbücherei Heiligenhaus im Jahre 1908 ihre Türen geöffnet. Heute sind es etwa 35000 Bücher, CDs und viele weitere Medien. Der Weg durch ein ganzes Jahrhundert sei nicht immer leicht gewesen, aber stets erfolgreich, so erster Beigeordneter Michael Beck in seiner Begrüßung. „In mühevoller Kleinarbeit“ habe sich über die Jahrzehnte ein Wandel von der vorerst primär unterhaltenden Stadtbücherei bis hin zum Informations- und Kulturzentrum abgespielt, erklärte Beck, der betonte: „Nun gibt es wahrlich was zu feiern.“
Anlässlich der Jubiläumsfeier in der Kundenhalle der Sparkasse an der Hauptstraße hielt Ruth Ortlinghaus, gut 30 Jahre in leitender Funktion für die Stadtbücherei tätig, einen umfangreichen Vortrag. 100 Jahre Literaturgeschichte und viele Beispiele, die schon früh in den Regalen der Heiligenhauser Bücherei zu finden waren, spiegelten den großen Betrachtungszeitraum wider: Von Friedrich Nietzsche und Rainer Maria Rilke in den 20er-Jahren über die 40er-Jahre mit Mascha Kaléko bis hin zu Patrick Süskind in den 80er-Jahren oder Günter Grass und Christa Wolf in den 90er-Jahren – kein Jahrzehnt blieb unbeachtet.
Von der Musik umrahmt
Zitate bekannter Schriftsteller machten die große Bedeutung des Lesens treffend deutlich: „Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne“, schrieb Jean Paul. „Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zu eigenem Denken zu verleiten“, betonte einst Christopher Morley. Aber auch die Literatur der 40er-Jahre, geprägt durch staatliche Eingriffe, Vertreibung und Bücher-Verbrennungen durch die Nationalsozialisten, veränderten die Deutsche Literatur gewaltig.
„Da wo man Bücher verbrennt, verbrennt man später auch Menschen“, erkannte schon früh Heinrich Heine, und Heine sollte in der „dunkelsten Stunde der gesamten Geschichte der deutschen Literatur“ noch oft zitiert werden, so Ortlinghaus. Begleitet wurde der Vortrag von Liedern und Chansons, gesungen von Mechthild Krahmer, die bekannte Texte von Bertolt Brecht oder auch Kurt Tucholsky hervorragend zu vermitteln verstand. Dazu spielte Susanne Schneider-Voelz einfühlsam am Piano. Nach dem offiziellen Teil der Jubiläumsfeier waren die Gäste noch eingeladen, sich ins Lesecafé der Bücherei zu begeben, wo man sich bei Musik unterhalten oder lesen konnte.
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