Hösel: Epos des Erinnerns
VON RUTH ORTLINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 02.02.2007Düsseldorf (RPO). RP-Literaturkritiker Lothar Schröder und die Schauspielerin Claudia Burckhardt stellten das Hauptwerk des in Düsseldorf geborenen Schriftstellers Dieter Forte eindrucksvoll vor.
„Erinnerung ist das einzige Paradies aus dem wir nicht vertrieben werden können“ schrieb Jean Paul. Die tiefgründigste Erkenntnis über das menschliche Denkvermögen? Manifestiert in der Literatur, der bildenden Kunst oder der Musik kann Erinnerung Unsterblichkeit erlangen. „Erinnern – Begreifen – Erkennen, im Erinnern Vergangenes neu erschaffen“ war im weitesten Sinne das Thema des anspruchvollen Literaturabends „Keine Zeit ohne Geschichten – das Prosawerk Dieter Fortes“ im Kulturkreis Hösel. Den Abend gestaltete Lothar Schröder, Literaturkritiker der Rheinischen Post, ein exzellenten Kenner der abendländischen Geistesgeschichte, zusammen mit der Schauspielerin Claudia Burckhardt.
Roman-Trilogie
Die Tetralogie besteht aus den drei Bänden: „Das Muster“, „Tagundnachtgleiche“, „In der Erinnerung“. Fortes Roman „Auf der anderen Seite der Welt“ gilt als Abschluss der Tetralogie. Schröder bezeichnete ihn als „erzählerischen Kosmos, als die Allegorie des Todes schlechthin“.
„Ich will mich erinnern an alles was man vergisst denn ich kann nicht retten ohne mich zu erinnern auch mich nicht und meine Kinder“ heißt es im Gedicht „Gegen Vergessen“ von Erich Fried. Gelesen von Regine Walther, treffend zum Thema, zur Begrüßung des zahlreich erschienenen Publikums. In Vortrag und Rezitation erarbeiteten Schröder und Burghardt eine einzigartige schillernde Hommage an den Dichter Dieter Forte innerhalb seiner Romantrilogie „Das Haus auf meinen Schultern“. Der in Düsseldorf geborene und heute in Basel lebende Schriftsteller erlangte als Dramatiker mit seinem Bühnenwerk „Martin Luther und Thomas Münster oder die Einführung der Buchhaltung“ Welterfolg. Als Romancier ist er auf dem besten Wege dorthin. „Für mich der Größte innerhalb der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“ äußerte Schröder. Und in seinem brillanten metaphysisch und philosophisch geprägten Vortrag, – den man besser als Essay bezeichnen möchte – einer grossartigen Analyse über die Trilogie, gelang es ihm glänzend, dem faszinierten Publikum eine Ahnung davon zu vermitteln. Bereichert durch ausgefeilt vorgetragene Texte, in wechselvoller warm timbrierter Färbung einer tragend geschulten Stimme der sympathischen Mimin. „Das Haus auf meinen Schultern“ ist ein spannendes Epos des Erinnerns, eine Familiensaga vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund vom 12. bis in das 20. Jahrhundert. Die Freuden und Leiden der französisch-italienischen Seidenweber-Dynastie Fontana und der polnischen Bergleute Lukacz, die im Rheinland zusammenfinden. Die sprachliche Dichte dieses Mammutwerkes kann nur einem abendländisch humanistisch geprägten Erzähler wie Dieter Forte gelingen. Ihm ebenbürtig an diesem Abend in der Analyse der Referent Lothar Schröder. Sein Essay wird im Frühjahr innerhalb eines Materialienbandes zu Dieter Forte beim Fischer-Verlag erscheinen. Dieter Forte : Das Haus auf meinen Schultern. Romantrilogie. Fischer Taschenbuch-Verlag, 2004, 863 S. Euro 14,90.
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