Heiligenhaus: Erinnern an das Grauen
VON RUTH ORTLINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 25.01.2008Düsseldorf (RPO). Am Sonntag ist internationaler Gedenktag anlässlich der Befreiuung des Konzentrationslagers Auschwitz.
Eine Ausstellung in der Volkshochschule nähert sich dem Thema auf ungewöhnliche Weise – mit Fotos und Lyrik.„Wir kommen von der Shoa nicht los, deren Grauen sich für uns in dem einen Namen sammelt: Auschwitz. Die Opfer des Nationalsozialismus lassen uns nicht los. Ob wir wollen oder nicht, wir glauben und denken, wir leben seither: nach Auschwitz. Und das ist weniger eine Zeitangabe, denn eine gnadenlos genaue Beschreibung unserer Situation.“ Das betonte der Langenberger Theologe und Lyriker Frank Overhoff bei seiner Vernissage zur Ausstellungseröffnung „Nach Auschwitz – Fotografien und Texte“ im VHS Café „Verweile doch“ am Südring.
Initiiert vom Stadtmarketing-Arbeitskreis Kultur und Gesellschaft in Kooperation mit der VHS ist die Ausstellung ein Beitrag zum Holocaust-Gedenktag am kommenden Sonntag. „Ein Gedenktag anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers am 27. Januar 1945, 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert worden und laut UN-Beschluss 2005 zum internationalen Gedenktag gemacht“, informierte VHS-Leiter Hermann Flaßpöhler. Dies sei kein Gedenktag im üblichen Sinne, sondern gedacht als persönliche Reflektion und Mahnung. Flaßpöhler erinnerte an Adorno, der nach Auschwitz im Blick auf Bildung und Erziehung eine neue Definition forderte: unter anderem kulturelle Vielfalt, Toleranz und Offenheit gegenüber Fremden und Andersartigen, anderen Rassen und Kulturen. Overhoff zitierte ebenfalls diesen bedeutendsten Philosophen der Moderne: „Adorno begreift Auschwitz auch als Maßstab für Gedichte.“ Und mit lyrischen Texten und Fotos versucht der Theologe und Künstler seine Begegnung mit dem einstigen Konzentrationslager zu bewältigen. Unter dem Motto „Mit eigenen Augen sehen worüber andere sprechen“ hatte er zusammen mit seiner Tochter und einer Klasse der Velberter Gesamtschule die heutige museale Gedenkstätte besucht und später ein zweites Mal alleine. Zu sehen ist eine Präsentation, die völlig andere Ansätze zeigt als die gewohnten Bilder vom Ort dieses Grauens, ohne gequälte und vom gnadenlosen Hass getriebene Menschen oder Leichen. „Nach Auschwitz“ heißt die Ausstellung und zeigt reale Gegenstände, eine nackte Deckenleuchte bei Nacht, Stacheldraht, Pfosten, eine rostige Lampe auf Schienen, einen einzelnen Pfahl, eine Wasserlache vor zerbröckelten Steinen, Schuhabdrücke im Sand und andere assoziative Impressionen. „Sie führen Bruchstücke und Details aus dem Lager so vor Augen, dass sich der Blick auf einen verstörenden Ort auftut, dessen unheilvolle Geschichte wir kennen“, erläuterte Overhoff. Neben jedem Foto stehen Texte, gekonnte lyrische Formulierungen, die mit wenigen Worten viel sagen, aufrütteln, „die einen dieser Augenblicke festzuhalten versuchen, in dem sich für einen Moment der Blick auf diesen Abgrund Auschwitz auftut“.
Das Stadtmarketing bietet unter Tel. 6 82 46 und Tel. 2 12 85 weitere Informationen und Gruppen-Führungen an.
Öffnungszeiten
Die Ausstellung ist bis Ende Februar zu besichtigen im VHS Café „Verweile doch“, Südring 149.
Geöffnet: montags von 9 bis 13 Uhr, dienstags von 9 bis 13 Uhr, 15 bis 18 Uhr, mittwochs 9 bis 17.30 Uhr, donnerstags 9 bis 13 Uhr, 15 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr.
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