Ratingen: „Faustschlag ist ein Schock“
VON NORBERT KLEEBERG - zuletzt aktualisiert: 21.12.2006Düsseldorf (RPO). Nach der Ratssitzung wurde Bürgermeister Harald Birkenkamp im Frankenheim am Marktplatz von einem Mann tätlich angegriffen. Die Polizei konnte den Täter wenig später festnehmen. Birkenkamp kam unverletzt davon.
Es sollte ein gemütlicher Ausklang werden nach stundenlanger Ratsarbeit. Für Bürgermeister Harald Birkenkamp endete der Abend beim Absacker-Bierchen im Frankenheim am Marktplatz mit einer bösen Überraschung. Kurz vor Mitternacht schubste ihn ein Unbekannter an und schlug dem Stadtoberhaupt die Faust frontal ins Gesicht. Birkenkamp, der sich mit einer kleinen Gruppe aus dem Rathaus im Lokal aufgehalten hatte, blieb unverletzt.
Der Unbekannte verließ das Frankenheim, der Bürgermeister und weitere Personen nahmen die Verfolgung auf. Der Täter blieb gewaltbereit, wie ein Augenzeuge später berichtete. Am Pfarrheim St. Peter und Paul hatten sie den Mann noch im Blick, verständigten sicherheitshalber die Polizei. Eine Streifenbesatzung konnte den 56-Jährigen schließlich auf der Turmstraße festnehmen. Wie sich später herausstellte, hatte der Mann vorher reichlich gebechert. „Wir haben bei ihm einen Wert von über zwei Promille festgestellt“, meinte der Ratinger Polizeichef Dirk Druyen, der sich an einen ähnlichen Übergriff auf ein Stadtoberhaupt nicht erinnern konnte. „Das ist schon ein sehr ungewöhnlicher Fall“, erklärte Druyen, der weitere Angaben zur Person aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht machen wollte.
Der Bürgemeister, der sich nach dem Vorfall ein paar Stunden Schlaf gönnte, meinte gestern im RP-Gespräch: „Dieser Faustschlag ist schon ein Schock. Er kam aus heiterem Himmel. Damit rechnet man doch nicht.“
Nach Angaben eines Augenzeugen soll der Mann den Bürgermeister vor der Körperverletzung noch kurz beschimpft haben. Ob der Mann für die Tat ein Motiv hatte, ist unklar. Derzeit sieht es eher nach einer „Aggression unter Alkoholeinfluss“ aus, wie es hieß. Birkenkamp will nun Strafanzeige wegen Körperverletzung stellen. In ärztliche Behandlung musste sich der Bürgermeister unmittelbar nach der Tat nicht begeben. Er habe Kopfschmerzen, sagte er. Der Verwaltungschef, dessen Brille beim Faustschlag verbogen wurde, zeigte sich gestern sehr nachdenklich: „Es ist schon ein beklemmendes Gefühl, wenn da einer kommt und plötzlich die Faust herausholt.“ Birkenkamp und den anwesenden Personen im geschlossenen Kreis war der Mann überhaupt nicht bekannt. „Ich hatte gar nicht gesehen, dass die Person derart stark alkoholisiert war“, befand der Bürgermeister, der in den kommenden Tagen seinen normalen Dienst versehen will.
Die Ermittlungen der Ratinger Polizei zu diesem Fall gehen unterdessen weiter.
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