Heiligenhaus: Flotte Kurven fürs Männerherz
VON PETRA WILLNAUER - zuletzt aktualisiert: 28.08.2006Düsseldorf (RPO). Es war ein Wochenende ganz im Zeichen der alten Schätzchen auf vier Rädern – von der Rallye bis zur Ausstellungseröffnung: Fans automobiler Träume kamen voll auf ihre Kosten. Und man darf angesichts der teuren Prachtexemplare ruhig weiter träumen.
Erlebnis Auto
Kosenamen: „Schneewittchensarg“, „Knutschkugel“ oder gar „Schlaglochfinder“ – so wurden die Fahrzeuge mitunter genannt. Gefühl: „Trotzdem kann man sich heute gar nicht vorstellen, was das für ein Gefühl war, von einem Motorrad in eine Isetta zu kommen – vom Fahrkomfort und der Heizung her“, erklärte Autofan Reiner Müller lachend.
Wertanlage: Für Autoliebhaber ist der Kauf eines alten Schätzchens auch eine Wertanlage.
Sie lassen alle Männerherzen unweigerlich höher schlagen, geschminkt sind sie in aufregenden Farben wie Karminrot, Taubenweiß oder Schottischem Grün, und ihre Kurven sind unerreichbar. Schon seit Benz und Daimler Ende des 19. Jahrhunderts bahnbrechende Fortschritte machten, geraten Männer in ungebremste Verzückung, wenn sie ein Meisterwerk der Automobilkunst erblicken. Dass sich bis heute nicht viel an dieser Schwärmerei verändert hat, konnte man gestern bei der neuen Ausstellungseröffnung im Heimatkundlichen Museum ohne viel Anstrengung beobachten. „Von der Kutsche zum motorisierten Gebrauchtfahrzeug“ – unter diesem Titel ist ab sofort Heiligenhauser Automobilgeschichte zu erleben. Beispiele: Zismanns Mini-Oldtimer, liebevoll bemalt und in Szene gesetzt, sowie Herstellungsstücke der Firma Carl Sievers und ganz private Erinnerungsstücke an die Zeit, als das Automobil auch in Heiligenhaus Einzug hielt und Transport sowie Wirtschaft in Schwung brachte. „Doch nicht jeder war sofort im Stande, sich ein Auto zu leisten. Autos hatten in Heiligenhaus somit nur Wenige, Fabrikanten oder gut verdienende Selbstständige“, berichtet Kämmerer Michael Beck zur Ausstellungseröffnung. Klaus Wagener, ein Ausstellungsbesucher, denkt gern an sein erstes Auto zurück. „Das war ein Citroen aus Frankreich, den ich 1964 gekauft habe. Diesem Auto war ich einige Monate zuvor in Nigeria als Transportmittel bei einem Brückenbau begegnet. Ich wusste sofort: So ein robustes Auto will ich auch haben.“ Vier Jahre nach dem Autokauf wagte Wagener so auch die Hin- und Rückfahrt zum Nordkap in diesem Auto. „Das waren schon allein 1800 Kilometer Hinweg.“ Doch nicht nur die Exponate im Museum weckten Erinnerungen und vor allem Interesse. Ein Daimler-Benz Typ 109, ein sirenenroter Volvo Typ Amazon 121: Die Oldtimerausstellung auf dem Parkplatz des Museums zog viele Interessierte an. Auch der Heiligenhauser Wolfgang Frenz war mit seinem „Schätzchen“, einer Essex-Six aus dem Jahre 1927, gekommen. „Den Oldtimer habe ich vor zehn Jahren für knapp 10 000 Euro erworben. Kurz darauf habe ich einen neuen Motor eingebaut und den Wagen auf Hochglanz gebracht.“ Auf Hochglanz bringt er ihn heute noch mehrmals die Woche, aus seiner Garage kommt der Wagen jedoch nur selten. „Als Schmuckstück für Hochzeiten oder Ausstellungen“, so Frenz.
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